Wende im Fall Alberto Contador: Der spanische Radsportverband (RFEC) hat alle Vorwürfe gegen den Madrilenen fallen gelassen. Nach Angaben seines Anwalts habe die Disziplinarkommission dem Einspruch des dreimaligen Tour-de-France-Siegers gegen die drohende Einjahressperre stattgegeben.

"Die Gerechtigkeit hat gesiegt", sagte der Jurist. Contador sei sehr glücklich. Der 28-Jährige sei von sofort an wieder startberechtigt. Szenekenner gehen davon aus, dass er bereits an diesem Mittwoch an der Algarve-Rundfahrt in Portugal teilnehmen wird.

Der Rad-Weltverband UCI hat sich bislang noch nicht detailliert zu der Entscheidung der Spanier geäußert. Allerdings hatte er zuvor signalisiert, dass Contador vorerst wieder startberechtigt sei. "Bei einem Freispruch kann er von dem Moment an so viel fahren, wie er will – bis zu einem möglichen CAS-Urteil", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani mit Blick auf ein mögliches Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof.

Die Richter in Lausanne könnten sowohl durch die UCI als auch von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada angerufen werden. Beide Organisationen haben nun – nach Eingang der entsprechenden Unterlagen – einen Monat Zeit, um Einspruch zu erheben. Selbst der spanische Verbandschef Juan Carlos Castaño rechnet damit, dass wenigstens eine der beiden – aller Voraussicht nach die Wada – diesen Schritt vollziehen wird: "Ich glaube, wir befinden uns erst in der ersten Halbzeit des Spiels." Damit hätte Contador theoretisch sogar wieder Chancen auf eine Tour-Teilnahme, weil sich CAS-Verhandlungen erfahrungsgemäß über Monate hinziehen.

Auslöser für die Affäre ist ein positiver Dopingtest, bei dem Contador am zweiten Ruhetag der vergangenen Frankreichrundfahrt positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden war. Das Anti-Doping-Labor in Köln hatte den Beweis erbracht. Der Sportler selbst führte den Befund jedoch auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestritt Doping: "Ich bin das Musterbeispiel eines sauberen Sportlers." 

Vor knapp drei Wochen aber hatte sich der RFEC in einer vorläufigen Entscheidung dafür ausgesprochen, Contador für ein Jahr zu sperren und ihm den Gewinn der Tour 2010 abzuerkennen. Dies sorgte in Spanien, wo Contador als Sportheld gefeiert wird, für Empörung, selbst Ministerpräsident José Luis Rodríguez setzte sich für den Sportler ein. "Es gibt keinen juristischen Grund, Contador zu bestrafen", schrieb der sozialistische Regierungschef, der damit auch den Radsportverband unter Druck setzte.

Der Wirkstoff Clenbuterol unterstützt den Aufbau von Muskeln. Bei hoher Dosierung verlangsamt diese Substanz die Muskelabbauprozesse, die normalerweise ständig im Körper ablaufen. Bei entsprechend angepasstem Trainings- und Ernährungsverhalten kann so ein schneller Muskelaufbau erzielt werden. Immer wieder haben Sportler Clenbuterol verbotenerweise als Dopingmittel benutzt. Der bekannteste Fall im deutschen Sport ist der der Sprinterin Katrin Krabbe.