ARD und ZDF steigen im kommenden Jahr aus der Live-Berichterstattung über die Tour de France aus. Wie die Sender am Mittwoch mitteilten, wird das wichtigste Radrennen der Welt damit in diesem Juli letztmals live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein. Neben ARD und ZDF zeigt nur noch der Spartensender Eurosport die Tour mit Live-Bildern im Fernsehen.

Die Rundfahrt finde "bei den deutschen Fernsehzuschauern nur noch eine geringe Akzeptanz, die lange Live-Sendestrecken nicht mehr rechtfertigt", teilten die beiden öffentlich-rechtlichen Sender mit. Die Einschaltquoten seien in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen: Verzeichneten ARD und ZDF 2003 – zu Hochzeiten des früheren Radsport-Heroen Jan Ullrich – noch pro Etappe 3,1 Millionen Zuschauer im Schnitt und einen Marktanteil von 28,8 Prozent, so schalteten im vergangenen Jahr nur noch 1,26 Millionen (10,9 Prozent) ein.

Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping, reagierte mit ironischem Unterton auf die Ankündigung. "Das ist eine souveräne Entscheidung von ARD und ZDF", sagte Scharping. "Es zeigt, dass die Produktion einer Telenovela offensichtlich billiger ist als eine Radsport-Übertragung – die findet dann eben bei Eurosport statt."

Ähnlich ironisch äußerte sich Erik Zabel, einer der bekanntesten deutschen Radprofis. "Wenn die Quote nicht stimmt und beispielsweise eine Serie wie Marienhof viel lieber gesehen wird, dann muss der Sender handeln", sagte der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots.

Bei der im Juli 2011 beginnenden 98. Ausgabe der Tour sind ARD und ZDF noch vertraglich zu Live-Berichten verpflichtet. Der Kontrakt der Europäischen Rundfunk Union (EBU) – in der die Sender mit anderen europäischen TV-Anstalten zusammengeschlossen sind – mit dem Tour-Veranstalter ASO endet danach. Einen neuen Vertrag für die folgenden Jahre lehnten ARD und ZDF nun ab.


Vor allem das Dauerthema Doping dürfte die Entscheidung beeinflusst haben. Bereits in der Vergangenheit hatten sich mehrere ARD-Intendanten wegen der zahlreichen Skandale – derzeit vor allem um den Tour-Sieger Alberto Contador – für einen Ausstieg ausgesprochen. "Dass auch das schlechte Radsport-Image dabei eine Rolle spielt, darüber brauchen wir nicht zu reden", erkannte auch Erik Zabel.

ARD und ZDF waren schon 2007 nach etlichen Dopingfällen während der Frankreich-Rundfahrt aus der Live-Berichterstattung ausgestiegen, im Jahr darauf aber wieder zurückgekehrt. 2009 schraubten die Öffentlich-Rechtlichen den Live-Anteil auf rund 30 Minuten pro Tag zurück, 2010 wurde wieder rund eine Stunde Live-Tour gezeigt.

Der Ausstieg der beiden Sender ist ein weiteres Zeichen für den Niedergang der Sportart in Deutschland, der mit dem Aus des letzten deutschen Elite-Rennstalls Milram im Vorjahr seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte.

Eine Trendwende kann nach Ansicht von Zabel nur durch saubere, sportliche Erfolge gelingen. "Es könnte wieder ein Zurück geben, wenn es einen deutschen Protagonisten gäbe, der vielleicht mal eine Woche in Gelb fährt oder im Grünen Trikot Paris erreicht. Dann werden wieder alle Kanäle aktiviert werden."