Wäre da nicht die peinliche Geschichte ums gedopte Steak , könnte man Alberto Contador ein armes Würstchen nennen. Da gewinnt der Radfahrer drei Mal das größte Radrennen der Welt, kassiert Millionen, darf mindestens vier Mal ungestört dopen und ist trotzdem das Opfer.

Alberto Contador hat so gehandelt, wie es das System Profiradsport verlangt. Wer nicht dopt, hat den Wettbewerbsnachteil und ist auch noch selbst schuld. Den Eklat in dieser Farce hat nicht der Sportler verursacht.

"Es gibt keinen juristischen Grund, Contador zu bestrafen", twitterte der spanische Ministerpräsident José Luiz Zapatero und nahm damit das Urteil des spanischen Radsportverbandes vorweg. Ja, wo leben wir denn? Welche Funktion hat der Sport in unserer Gesellschaft?

Die spanische Politik scheint Contador zu brauchen: Als Nationalheld, Aushängeschild, Idol. Doping? Egal. Einmischung der Politik in die Sportjustiz? Na klar, und zwar jetzt auch offensichtlich!

Die Wirtschaftsmaschinerie, die rund um die großen Radrennen Millionen kassiert; der Radsportverband, der für seine besten Sportler wirbt; die Medien, die das Spektakel verbreiten solange es Quote bringt; der Fahrer sowieso – wenn die direkt Beteiligten den Anti-Doping-Kampf verschleppen, überrascht das nicht so sehr. Wenn aber selbst der Politik der gedopte Held lieber ist, als ein sauberer Profisport, ist es an der Zeit, sich endgültig abzuwenden.

Radfahren kann ein Sport sein, der fit hält, Zuschauer begeistert. Aber wenn die falschen Vorbilder vieler Jugend- und Amateurfahrer so unterstützt werden wie im Fall Contador, verliert die Sportart das letzte Maß an Glaubwürdigkeit.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Internationale Sportgerichtshof (CAS) müssen Alberto Contador schnellstmöglich wieder vom Rad holen. Tun sie das nicht, könnten sich alle Beteiligten auch gleich darauf einigen, Doping offiziell freizugeben.