Der 1. FC Nürnberg spielt gut und gewinnt oft. Die beste Mannschaft der Rückrunde kann für die kommende Spielzeit sogar auf einen Startplatz für die Europa League hoffen. "Mit breiter Brust ins nächste heiße Duell", heißt es folgerichtig vor dem Spiel gegen Werder Bremen am Samstag auf einer Internetseite des Hauptsponsors . Doch genau dieser Spruch ist derzeit unpassend.

Auf der Nürnberger Brust prangt das Logo des Areva-Konzerns , weltweit führend im Nukleargeschäft. Areva wurde 2008 gleich zweimal vom NGO-Zusammenschluss Publiceye zum verantwortungslosesten Unternehmen gekürt, weil es die Arbeiter seiner Uranmine im Niger nicht ausreichend über die Gefährdung aufgeklärt und Erkrankungen verschwiegen haben soll. Aktueller: Areva verdiente sein Geld auch durch Lieferungen von Kernbrennstoff ins japanische Fukushima. Während Millionen Japaner vor einer nuklearen Katastrophe fürchten, wirbt ein Fußballclub aus Franken für einen unmittelbar Beteiligten.

Etwa 2,8 Millionen Euro pro Jahr ist dem französischen Atomkonzern der Platz auf dem Nürnberger Trikot wert. Doch Areva ist nicht der einzige Sportsponsor mit zweifelhaftem Ruf. Öl- und Gaszulieferer, Chemiekonzerne und Finanzdienstleister versuchen, durch Sportsponsoring ihr mieses Image reinzuwaschen. Oft funktioniert das. Kohlendioxidschleudernde Energieunternehmen und Mineralölkonzerne haben es vorgemacht. Beim Greenwashing versuchen sich meist besonders umweltfeindliche Konzerne mittels PR-Maßnahmen grün zu erscheinen.

Der Sport ist eine besonders effiziente Imagewaschmaschine. Er hat trotz Doping- und Korruptionsskandalen noch immer einen sehr guten Ruf, steht für Gesundheit, Stärke, Fairness und Charisma. Eigenschaften, von denen Unternehmen profitieren möchten. "Wenn es ein Konzern geschickt anstellt, färbt etwas vom positiven Image des Sports auf ihn selbst ab", sagt Christoph Breuer, Sportmarketingexperte der Deutschen Sporthochschule Köln. So verwundert es nicht, dass jährlich etliche Milliarden Euro in den Sport fließen. Einer Studie aus dem Jahr 2009 zufolge gaben Unternehmen im selben Jahr in Deutschland etwa 4,2 Milliarden Euro für Sponsoring aus. 2,6 Milliarden Euro davon landeten im Sport.

Doch die Konzerne, die auf Trikots und Banden deutscher Bundesligisten werben, haben mit Gesundheit, Stärke, Fairness und Charisma wenig zu tun. Der FC Schalke 04 bezieht einen Großteil seiner dringend benötigten Millionen von Gazprom, dem undurchsichtigen Energiekonzern, der schon mal Gaslieferungen in die Ukraine stoppt und vielen als Werkzeug der russischen Regierung gilt.

Die Brust der Spieler von Bayer Leverkusen, die mit dem Namensgeber, dem Chemiekonzern Bayer, eigentlich schon genug gestraft sind, ziert das Logo von Teldafax. Dem Stromanbieter wurde zuletzt vorgeworfen , falsche Rechnungen zu stellen und Guthaben seiner Kunden nicht zurückzuzahlen. Zudem wurde Teldafax wegen unerlaubter Telefonwerbung vom Landgericht Bonn verurteilt .

Und wie sich einer fühlt, der von einer Drückerkolonne von AWD falsch beraten wurde, wenn er die AWD-Arena zu Hannover betritt, ist nicht schwer vorstellbar.

Kritik von den Fans

Diese Liste ließe sich außerhalb des Fußballs beliebig fortsetzen. Vattenfall, der laut Greenpeace klimaschädlichste Stromerzeuger Deutschlands, sponsert die Cyclassics in Hamburg, das größte Radrennen des Landes.

Der Sport selbst steht dem Phänomen bislang pragmatisch gegenüber. Im Kampf um Sponsoren ist es den meisten Vereinen und Verbänden egal, wo das Geld herkommt. Oft gibt es auch keine Wahl. "Gerade in kleineren Sportarten müssen Manager nach jedem Strohhalm greifen", sagt Christoph Breuer. Sonst bricht der Umsatz weg, unter Umständen wäre sogar die Existenz gefährdet. Doch auch finanziell besser ausgestattete Vereine haben gegen einen Atomfabriksfabrikanten nichts einzuwenden. "Natürlich wird es jetzt Diskussionen geben", sagt Ralf Woy, Finanzvorstand des 1. FC Nürnberg. "Aber Areva ist und bleibt unser Partner."

Doch das könnte zu kurz gedacht sein. "Der Imagetransfer vom Sport auf das Unternehmen ist keine Einbahnstraße", sagt der Marketingexperte Christoph Breuer. Es gebe auch Konstellationen, in denen der Sport vom negativen Ruf des Unternehmens beeinflusst werden könne. Vereine müssten abwägen: Ist ihnen das zusätzliche Geld wichtiger, oder das bessere Image, das potenziell wieder neue Einnahmen in anderen Geschäftsfeldern verspricht? Bisher seien die Vereine wenig imagesensibel gewesen, sagt Breuer. Das ändere sich aber gerade, ausgelöst durch zunehmend kritischere Fans.

Einer von ihnen ist Alexander Endl. Er ist Anhänger des 1. FC Nürnberg und betreibt das Blog Clubfans United . Er hat ein Problem damit, dass sein Verein Geschäfte mit einem Atomkonzern macht. "Mit der Entscheidung für Areva war der Kauf eines neuen Trikots für mich erst einmal vom Tisch. Soll ich etwa ernsthaft Werbung für Kernenergie machen? Das kommt nicht in Frage", sagt er. Am vergangenen Wochenende wurde in Fankreisen debattiert, ob ihr Verein das Logo auf den Trikots aus Respekt vor den Opfern abkleben sollte.

Die Diskussion um den ungeliebten Nürnberger Trikotsponsor ist nicht neu. Schon zu Beginn des Areva-Engagements im Jahr 2008 spaltete die Entscheidung der Nürnberger Verantwortlichen die Fans. "Ich sehe das kritisch, andere nicht", sagt Alexander Endl. Doch selbst Anhänger, die fragwürdige Geldgeber ablehnen, schaffen es unter bestimmten Umständen, das Thema auszublenden. "Geht es am Ende um die Frage Areva oder Abstieg, würden sich die meisten wohl doch für Areva entscheiden", sagt Endl.

Etwas neidisch mögen die Nürnberger auf die Bundesliga-Konkurrenz aus Mainz oder Kaiserslautern schauen. Der FSV Mainz pusht sein ohnehin schon frisches Image durch Werbung für entega, dem nach eigenen Angaben landesweit zweitgrößten Anbieter von Ökostrom. Und der 1. FC Kaiserslautern läuft für Allgäuer Latschenkiefer Reklame, einer traditionellen Naturmarke. Deren Produkte helfen gegen Hornhaut und Schweißfüße.