Keine dummen Sprüche mehr: Schiedsrichterin Kathrin Heimann © Thomas Terhorst

Die Tür der Schiedsrichterkabine öffnet sich. Die Drei in Gelb treten gemeinsam aus dem Raum, während beide Mannschaften auf den Anstoß warten. Es ist ein Freundschaftsspiel, das Kathrin Heimann heute pfeifen wird. Viktoria Resse gegen den DSC Wanne-Eickel. Westfalenliga gegen Bezirksliga, nichts Turbulentes. "Nur der Klassenunterschied der beiden Teams könnte zum Problem werden", befürchtet Heimann, "denn jede Liga pfeift sich einfach anders. Die goldene Mitte zu finden, das ist heute meine Aufgabe".

Seit etwa zehn Jahren steht die Biologiestudentin auf dem Platz, leitet Herren-Spiele bis hinauf in die Verbandsliga. Ungewöhnlich für eine Frau. Aus dem Fußballkreis Gelsenkirchen, Gladbeck und Kirchhellen ist Kathrin Heimann in diesen Ligen die einzige weibliche Unparteiische. Landesweit gibt es über ihr nur zwei Schiedsrichterinnen mit einer Lizenz für die NRW-Liga.

Besonders in den ersten Minuten muss die 25-Jährige da sein. "Das sind immer die entscheidenden Minuten", sagt sie. In diesen werde nicht nur das Verhalten der Gegner abgetastet, sondern vor allem das der Schiedsrichter. Bis zur ersten Gelben Karte sei die Anspannung am höchsten. "Alles Weitere wird nur mit dieser einen Karte verglichen", sagt Heimann. An diesem Tag bleiben die Karten in der Tasche.

Von den Spielern wird Heimann akzeptiert. Kein Murren, keine dummen Sprüche. "Gerade weil ich eine Frau bin, gehen die Männer mit mir anders um. Statt zu pöbeln, schlucken sie bei mir vieles runter", sagt die Studentin. Das ist auch heute so. Nur von der Tribüne kommen ein paar Sprüche. "Doch wer die nicht ab kann, der ist auf dem Rasen fehl am Platz", sagt Heimann.

So dachte sie nicht immer. Zu Beginn ihrer Schiedsrichterkarriere musste sie kämpfen. Ursprünglich wollte sie ihrem Vater nur einen Gefallen tun, half hier und da bei Jugendspielen aus. "Zu Beginn war ich immer ziemlich ängstlich, das haben die Spieler natürlich gleich gemerkt und nutzten es auch aus. Sprüche wie ‘Schiri, geh doch kochen!’ oder ‘Schiri, wir spielen hier kein Frauenfußball’ gehörten zur Tagesordnung", sagt Heimann. Doch mit der wachsenden Autorität kamen Leidenschaft und Respekt.

Leidenschaft, die Viktoria Resse an diesem Tag fehlt. Seit einer halben Stunde rennt der Bezirksligist dem Verbandsligisten hinterher. Gefährlich wird es in der ersten Hälfte nur in einer Szene. Ein steiler Pass aus dem Mittelfeld, Resses Stürmer will gerade los marschieren, doch dann ein Pfiff: Abseits. Eine Entscheidung, mit der der Stürmer nicht einverstanden ist. Lautstark fährt er den Linienrichter an. Ohne Zögern sprintet Heimann auf den Querulanten zu. Ein paar Meter vor ihm bleibt sie stehen.