Die Rückkehr von Jupp Heynckes nach München ist keine Überraschung, seit Wochen galt sie als offenes Geheimnis. Fast scheint es, als hätten die Beteiligten den Vollzug bewusst verzögert, um sich abzusetzen von den chaotischen Trainerrochaden in Wolfsburg, Schalke, Hamburg und Frankfurt.

Die Rückkehr von Heynckes nach München überrascht auch deswegen nicht, weil seine beiden Vorgänger die Vereinsführung zu einer konservativen Entscheidung gedrängt haben dürften: Mit Jürgen Klinsmann und später Louis van Gaal sollte der große Wurf gelingen, eine Idee, ein Konzept, das den Verein national über alle Zweifel erhaben sein lässt, und in Europas Spitze etabliert. Beide scheiterten, zu gewaltig waren die Visionen. Mit Heynckes stehen die Zeichen auf Realpolitik.

Er ist die Sicherheitsvariante. Mit einem entsprechend aufgerüsteten Kader wird Heynckes die Bayern wieder zu einem Titelkandidaten machen, das wars dann aber auch. Zwar kann man Heynckes trotz seines Alters eine moderne Auffassungen von Spiel und Training nicht absprechen, eine neue Ära lässt sich mit ihm aber bestimmt nicht begründen. Länger als drei Jahre war Heynckes zuletzt vor über zwanzig Jahren bei einem Verein tätig. Außerdem wird er bei seinem Amtsantritt in München 66 Jahre alt sein. Vor vier Jahren hatte Heynckes sich sogar schon in den Ruhestand verabschiedet, bevor ihn der FC Bayern vom Sofa zerrte.

Das Wohlwollendste, was man über Heynckes sagen kann: Er ist nicht die schlechteste Lösung. Das Format eines José Mourinho oder Josep Guardiola hat er jedoch nicht. Was dem Leitbild des FC Bayern widerspricht, dessen Anspruch zumindest rhetorisch nur das Beste vom Besten ist.

Heynckes ist die Wahl des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, der offenbar in Bayerns komplizierter Binnenpolitik wieder das Sagen hat. Und der Heynckes noch dankt, dass er den Verein nicht im Stich ließ, als es vor zwei Jahren darum ging, sich von Jürgen Klinsmanns Reformen zu erholen.

Hoeneß achtet stets darauf, dass seine Trainer unter ihm nicht zu groß werden. Der eitle Louis van Gaal hat dessen Ego zu spüren bekommen, als er sich im vorigen Herbst über Fernsehkanäle attackieren lassen musste. In der Folgezeit kultivierte der Trainer seine Sturheit und traf, um seine Autonomie zu beweisen, riskante, auch falsche Entscheidungen. Zudem sah er sich bemüßigt, Hoeneß öffentlich zu widersprechen. Van Gaals Demontage nahm ihren Lauf.

Von seinem Freund Heynckes darf Hoeneß Gehorsam erwarten, das lehrt ihr gemeinsamer Weg. Ein Vorfall, der dies illustriert, liegt 22 Jahre zurück: In seiner ersten Amtszeit traf Heynckes 1989 mit Hoeneß im legendären TV-Duell auf Christoph Daum. Hoeneß lieferte sich eine Schlacht mit dem großmäuligen Rebellen Daum, verteidigte seinen Cheftrainer. Heynckes, von Daum beleidigt, saß wie ein kleines Kind dabei.