Lena ist Schuld. Es liegt an ihr, dass in Düsseldorf derzeit eines der aberwitzigsten Fußballstadien der Welt entsteht. Ein Stadion, das auf den ersten Blick alles Gerede über Ökonomie und Nachhaltigkeit ad absurdum führt. Das aber vielleicht auch in die Zukunft des Sportstättenbaus blicken lässt.

Die Europameisterin im Singen, Liebling des Landes, soll im Mai in Düsseldorf ihren Eurovision-Titel verteidigen. Das hat Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) eingefädelt. Schließlich geht es ums Image, seines, und das seiner Stadt. Er stellte der Sängerin und ihrem Gesangszirkus die heimische Arena zur Verfügung, in der eigentlich Fortuna Düsseldorf zweitklassigen Fußball spielt. Ihrem Verein spendierte die Stadt einfach ein neues temporäres Stadion. Knapp drei Millionen Euro wird die 20.168-Mann-Arena kosten, sie steht nur einige Torwartabschläge von der großen Arena entfernt.

Seit Mitte Januar schrauben Arbeiter einer Schweizer Spezialfirma nun das Instant-Stadion zusammen. 180.000 Teile, kilometerweise Stahlrohre, 2000 Tonnen Material. Mitte März soll alles fertig sein. Dann wird der Zweitligist Fortuna Düsseldorf drei Spiele in der Arena austragen, gegen Union Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen. Nach 30 Tagen wird das Provisorium wieder abgebaut.

Acht Wochen Aufbau, vier Wochen Sport, vier Wochen Abbau – ein irrwitziges Projekt. Man mag kaum daran denken, was für sinnvollere Sachen eine Kommune mit drei Millionen Euro hätte anstoßen können, zumal wohl kein europäischer Landstrich mit so vielen fertigen, stabilen Fußballarenen gesegnet ist, wie das Rhein-Ruhr-Gebiet. Doch in Düsseldorf setzen sie aufs Außergewöhnliche. "Der Song-Contest ist ein besonderes Ereignis für unsere Stadt, das erfordert besondere Maßnahmen", sagt der Fortuna-Präsident Peter Frymuth.

Was zunächst wie eine riesige Verschwendung von Ressourcen aussieht, soll sogar nachhaltig sein. Bernd Helmstadt, Chef der Geschäftseinheit Stadien der ausführenden Firma Nüssli: "Nachhaltig heißt: Ich baue nichts, was danach keinen Nutzen mehr hat." Und das kann man von den Düsseldorfer Tribünenplätzen nicht behaupten.

Beinahe das gesamte Stahlrohrstadion soll wiederverwendet werden. Ein großer Teil der Anlage wird zum DTM-Rennen an den Norisring chauffiert. Die Haupttribüne wird nach Gstaad geschafft, auf ihr werden bald Fans des Beachvolleyball und Tennis Platz nehmen. Einige Teile des Stadions kommen bereits von anderen Großereignissen, etwa der Fußball-WM von Südafrika.

Die Düsseldorfer Notlösung könnte die Zukunft sein. Viele Veranstalter großer Sportevents haben die Nase voll von Arenen und Tribünen aus Beton, die vor sich hingammeln, sobald Sportler, Zuschauer und Medien abgezogen sind. In London wurde monatelang darüber gestritten, wer das noch im Bau befindliche Olympiastadion nach den Spielen von 2012 füllen soll.