Viel spricht gegen die Verbindung Magath und Schalke. Sein Führungsstil passt nicht zu diesem Verein , dauerhaft gesehen vermutlich zu keinem. Mit der Vereinsführung kommuniziert er offenbar hauptsächlich über seine Anwälte. Magath setzt auf Angst und Druck, heuert und feuert Spieler und Mitarbeiter. Jüngstes Beispiel: Im Februar hat er den erfolgreichen Trainer der Reservemannschaft Michael Boris abserviert. Die Entscheidung, Felix Magath zu entlassen, ist mutig und wohl richtig. Aber die Begründung ist feige und falsch.

Magaths Elf ist ins Pokalfinale eingezogen und als einziger deutscher Vertreter in der Champions League verblieben. Insofern kann man Schalkes Aufsichtsrat Clemens Tönnies konsequent und souverän nennen. Und ungewöhnlich, denn im Profifußball werden Personalien meist nach tagesaktueller Stimmung verhandelt.

Andererseits scheint es vorgeschoben, die Trennung ausschließlich mit Magaths angeblichen Verstößen gegen die Satzung zu begründen. Unabhängig davon, was an dem Vorwurf dran ist, sieht das nach einem Versuch aus, die womöglich sehr hohen Abfindungskosten zu senken. So handeln findige Unternehmer, die einem unliebsamen Arbeitnehmer nachweisen wollen, während der Arbeitszeit sich auf Facebook rumgetrieben zu haben.

Würde Tönnies bei den ursprünglichen Gründen bleiben, gewönne er Status und Handlungsspielraum zurück. Doch hat ihn nach Magaths Erfolg gegen Valencia und nach dem Siegtor des Magath-Transfers Charisteas gegen Frankfurt der Mut verlassen. Durch die einseitige Begründung verlässt Felix Magath Schalke als sportlicher und moralischer Sieger.

Damit werden seinen Nachfolgern im Vorstand und auf der Trainerbank hohe Bürden aufgeladen. Ob Rehhagel, Rangnick oder Heldt, die Neuen werden nicht wie üblich bei Null anfangen, sondern mit einem Malus. Denn im gespaltenen Fan-Lager haben derzeit diejenigen Recht und sind lauter, die Magath als Opfer einer Provinzposse betrachten, vielleicht gar einer Intrige.

Tönnies war nicht klar, worauf er sich einließ, als er Magath vor zwei Jahren nach Schalke lotste, ihn mit allen Vollmachten ausstattete und mit einem satten Vierjahresvertrag versorgte. Schalke wollte mit einem allmächtigen Magath Meister werden, eine glorreiche Zukunft gestalten. Jetzt ist der Plan gescheitert. Zu diesem teuren Irrtum sollten auch die Verantwortlichen des FC Schalke stehen.