Ein Fußballprofi von Hannover 96 steht im Stadiontunnel und wartet darauf, den Rasen zu betreten. Draußen warten 50.000 Fans. Die Hymne ertönt. Nur kurz ist sein Gesicht zu sehen. Doch dieser Moment zeigt, dass ihn mehr umtreibt als die normale Anspannung vor Spielbeginn. Er hat Angst.

Die spannendste Szene des nächsten Tatorts (20. März, 20:15 Uhr, ARD) hat nichts mit Mord und Totschlag zu tun. Bevor der Fußballer das Stadion betritt, hat er bekannt gegeben, dass er "nicht so ist, wie man sich landläufig einen Fußballprofi vorstellt." Er ist schwul. Freiwillig erzählt er das nicht. "Ich kann und will dem Druck nicht mehr standhalten, ein Doppelleben führen zu müssen", sagt er.

Damit ist der Film mittendrin im großen Tabuthema des deutschen Fußballs. Erst kürzlich hat sich mit Anton Hysén in Schweden der erste Profi geoutet. Doch auf deutschen Plätzen gibt es Homosexualität offiziell nicht, und in der Bundesliga erst recht nicht. Allein statistisch ist das kaum möglich. Fünf bis zehn Prozent der Spieler müssten schwul sein. Und einige sind es auch. Harald Göckeritz kennt sie. Er hat das Drehbuch zum Tatort: Mord in der ersten Liga geschrieben .

Namen und Vereine will er nicht nennen. Die Angst vor einem Outing ist immer noch groß. Den erwartbaren Medienrummel will sich keiner zumuten. Der Gedanke, dass sich Sponsoren abwenden würden, ist weit verbreitet. Am größten aber ist die Furcht vor den Fans. Göckeritz erklärt das so. "Die Spieler sagen sich: 'Was passiert, wenn mein Verein vier Mal hintereinander verliert und ich selber schlecht spiele?' Sie glauben, dass sie dann ganz schnell zum Sündenbock gemacht werden." Deswegen schaffen sich die Spieler Schutzschilder an, die ihre Männlichkeit beweisen sollen. Die hübsche Freundin, das schnelle Auto.

Eine Ebene höher, bei den Funktionären, ergab sich für Göckeritz ein gespaltenes Bild. Einige würden ein Outing befürworten, vor allem um den Druck von dem Spieler zu nehmen. Immer etwas vortäuschen zu müssen, immer eine Geschichte parat zu haben, das fresse zu viel Energie und wirke sich langfristig auf die Leistung aus. Andere meinen, die Zeit sei trotz schwuler Außenminister und Bürgermeister immer noch nicht reif für einen Fußballer, der Männer liebt. Homophobie habe er in den Vereinen nicht bemerkt, auch nicht unterschwellig, sagt Göckeritz.