"Ich möchte, dass meine Teams in Erinnerung bleiben", so heißt es in der fast drei Kilogramm schweren Biografie Louis van Gaals. Zumindest mit dem FC Bayern München hat er das geschafft, nur anders, als er es gehofft hatte. Wer irgendwann einmal an den FC Bayern München der Spielzeit 2010/2011 zurückdenken wird, dem fallen vor allem verpasste Möglichkeiten und unnötige Niederlagen ein.

Der niederländische Trainer ist in München vor allem an sich selbst gescheitert. An seiner Sturheit, seiner viel zitierten Beratungsresistenz, und wohl auch an seiner Naivität. Immer wieder soll seine Mannschaft nach vorne spielen, soll begeistern und entzücken, auch bei einer komfortablen Führung. Immer wieder entblößt sie sich auf diese Art und Weise selbst. Oft geht es dann ganz schnell, und der Ball liegt im eigenen Tor.

Gegen Inter Mailand schaffte die Mannschaft es nicht, einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Stattdessen ermöglichte sie einem Gegner den Sieg, der eigentlich schon geschlagen war. "Die Niederlage war die Konsequenz aus unserer Identität", sagte van Gaal nach dem Spiel.

Louis van Gaals Dilemma ist, dass er sich und sein System überschätzt. Er ist der Meinung, seine Mannschaften brauchten keine richtige Abwehr, sie würden ja sowieso nichts zu tun bekommen. Deshalb wird die Defensive im Training vernachlässigt, deshalb ließ er in seiner Amtszeit Lucio, Demichelis und Mark van Bommel ziehen. Drei Spieler, mit denen der FC Bayern dieses Achtelfinal-Rückspiel wohl nicht verloren hätten. Vorne hui, hinten nicht so wichtig – das ist das System des Holländers. Das Problem ist, dass er nicht anders kann, als so zu spielen.