Von Meisterfreuden und Abstiegsängsten

FC Bayern München – FC Schalke 04 4:1 (3:1)

Angetrieben von Rückkehrer Arjen Robben ist der FC Bayern auf einen Champions-League-Platz zurückgekehrt. Wenige Stunden nach Hannovers Niederlage gegen Mönchengladbach nutzte
der Rekordmeister die Vorlage und eroberte durch einen Heimsieg wieder den dritten Rang – dank Robben (6. Minute), dem zweimal erfolgreichen Thomas Müller (13./84.) sowie Mario Gomez (19.) mit dessen 24. Saisontor.

Vier Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Manchester United machte der Auftritt der Gelsenkirchener, die durch ein Eigentor von Holger Badstuber (8.) zu ihrem Treffer kamen, keine Hoffnung. Der von Bayern umworbene Torhüter Manuel Neuer verhinderte zumindest nach dem Seitenwechsel noch Schlimmeres.

Hannovers Pleite und vielleicht auch die Leverkusener Niederlage gegen den 1. FC Köln (0:2) schienen das Team um Rückkehrer Robben zu beflügeln. Ein Ballverlust von Anthony Annan gegen den energischen Müller führte zum ersten Tor. Müller bediente den besten Rückrundenscorer Robben, der Neuer überwinden konnte.

Die Gäste strahlten keine Torgefahr aus. Bezeichnend war, dass die Münchner selbst für das 1:1 sorgten. Nach einer Hereingabe von Jefferson Farfan bugsierten Badstuber, Diego Contento und Thomas Müller den Ball zusammen mit Schalkes Joel Matip zum Ausgleich ins Tor.

Teilweise zauberten die Münchner vor der Pause. Franck Ribéry und vor allem dem als freischaffenden Künstler umherwirbelnden Robben war die Spielfreude anzumerken. Trotz manchen guten Angriffs war aber das 2:1 ein Zufallsprodukt. Ribérys Freistoß – Robben war nur durch ein Foul zu stoppen gewesen – prallte in die Mauer und von dort zu Müller, der kühl abschloss.

Über Robben und Müller kam dann der Ball zu Gomez, der nur noch einschieben musste. Eingeleitet hatte das Tor ein langer Pass von Bastian Schweinsteiger, der nach seiner viel diskutierten Pressekonferenz in dieser Woche eine sehr engagierte Leistung im Mittelfeld zeigte.

Manuel Neuer war bei allen Gegentoren machtlos. Und auch an den Sprechchören aus der Südkurve, die vor allem zu Beginn der zweiten Spielhälfte laut wurden, konnte er nichts ändern. Allerdings wurden die Sprechchöre von vielen FCB-Fans mit lautstarken Pfiffen gekontert. Dazu gab es etliche auch "Pro-Neuer"-Plakate.

Der als künftiger Bayern-Zugang gehandelte Torhüter blieb äußerlich gewohnt ruhig – der Gäste-Anhang blieb insgesamt recht still. Kein Wunder, musste er doch neben dem ärgerlichen Abend beim im Pokal und in der Hinrunde besiegten Rekordmeister noch die Kunde von der Meisterschaft des ewigen Gegners aus Dortmund verarbeiten.

Wie schon beim Torefest gegen Leverkusen (5:1) gab es auch im dritten Spiel unter Interims-Coach Andries Jonker viel Offensivkraft zu sehen. Nach dem Seitenwechsel waren die Münchner oft zu verspielt, so wurde auch ein Konter in Fünf-zu-Drei-Überzahl (69.) nicht zu Ende gespielt. Bei der Schadensbegrenzung der harmlosen Schalke half auch Neuer mit, wie gegen Ribéry (67.) und Robben (75.) – gegen Müller aber war er dann ein zweites Mal an diesem Abend chancenlos. Für den WM-Torschützenkönig war es Saisontreffer Nummer zwölf.

Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento (72. Ottl) - Schweinsteiger, Timoschtschuk - Robben, Müller (85. Kroos), Ribéry - Gomez (83. Klose)
FC Schalke 04: Neuer - Uchida, Papadopoulos, Metzelder, Sarpei (46. Baumjohann) - Matip (79. Escudero) - Farfán, Kluge, Annan, Jurado - Raúl (46. Edu)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 69 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Robben (6.), 1:1 Badstuber (8./Eigentor), 2:1 Müller (13.), 3:1 Gomez (19.), 4:1 Müller (84.)
Gelbe Karten: Ribéry (4) / Farfán (6), Metzelder (3)
Beste Spieler: Müller, Ribéry, Robben / Neuer

Dortmund – Nürnberg

Borussia Dortmund – 1. FC Nürnberg 2:0 (2:0)

Borussia Dortmund hat eine überragende Spielzeit mit dem Meistertitel gekrönt. Nach monatelanger Alleinherrschaft an der Tabellenspitze bewies das Team von Trainer Jürgen Klopp gegen den 1. FC Nürnberg Nervenstärke und konnte nach der zeitgleichen Niederlage von Verfolger Leverkusen in Köln bereits am 32. Spieltag feiern. Die Treffer besorgten Lucas Barrios (32.) und Robert Lewandowski (43.).

Schon vor dem Abpfiff herrschte im größten Bundesliga-Stadion meisterliche Stimmung. Im 100. Spiel von Jürgen Klopp auf der BVB-Trainerbank erwischte die Borussia jedoch einen dürftigen Start. Was immer der Spitzenreiter auch versuchte, blieb zunächst wirkungslos. Die Abwehr der Gäste stand gut, Torchancen gab es kaum. Einen Fernschuss von BVB-Mittelfeldspieler Antonio da Silva (12.) parierte Keeper Raphael Schäfer. Auf der Gegenseite schoss Innenverteidiger Andreas Wolf (14.) aus kurzer Distanz über das Tor.

Mit zunehmender Spielzeit wuchs beim Gastgeber die Nervosität. Ungewohnt viele Zweikämpfe gingen verloren, die Fehlpassquote war hoch wie selten. Als sich die Franken anschickten, mehr und mehr die Regie zu übernehmen, fiel ein Tor aus dem Nichts. Einen Flachschuss von Mario Götze konnte Schäfer nur abklatschen und Barrios drückte den Ball aus drei Metern über die Linie.

Das 1:0 nahm den Tabellenführer die Anspannung. Bis zur Pause fand er zurück zur Spielkultur vergangener Tage. Nach einer Flanke von Lukasz Piszczek war Barrios (37.) bei einem Kopfball seinem 15. Saisontreffer nahe. Nur fünf Minuten später verwandelte Lewandowski das Stadion in ein Tollhaus: Mit einem Heber über Torhüter Schäfer sorgte der polnische Nationalspieler für das 2:0.

Nach Wiederanpfiff drosselte die Borussia das Tempo. Das tat der guten Stimmung auf den Tribünen keinen Abbruch. Im Gegenteil: Als Stadionsprecher Norbert Dickel per Mikrofon in der 65. Minute den Führungstreffer der Kölner gegen Leverkusen bekanntgab, erbebte das Stadion. Im Jubel der Anhänger gingen die letzten Minuten der Partie nahezu unter. Dabei bot sich Barrios nach Flanke von Götze in der 79. Minute per Kopf noch die große Chance, auf 3:0 zu erhöhen.


Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, da Silva (83. Felipe Santana) - Götze, Lewandowski (78. Blaszczykowski), Großkreutz (89. Dede) - Barrios
1. FC Nürnberg: Schäfer - Judt, Wollscheid, Wolf, Pinola (71. Plattenhardt) - Simons, Cohen - Eigler, Ekici, Mak (46. Gündogan) - Schieber (71. Hegeler)
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 80 720 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Barrios (32.), 2:0 Lewandowski (43.)
Gelbe Karten: Barrios (2) / Judt (5)
Beste Spieler: Schmelzer, Barrios / Ekici, Eigler

Hamburg – Freiburg

Hamburger SV – SC Freiburg 0:2 (0:1)

Der Hamburger SV hat auch die letzte theoretische Chance auf die Teilnahme an der Fußball-Europa-League verspielt. Im ersten Spiel nach der Vertragsunterschrift von Cheftrainer Michael Oenning unterlagen die Norddeutschen dem SC Freiburg. Papiss Demba Cissé (16./87. Minute) erzielte beide Treffer für die Gäste. Den HSV-Kickern, die damit aus ihren letzten neun Spielen nur einen Sieg holten, enttäuschten einmal mehr und wurden beim von Oenning ausgerufenen "Schaulaufen" in der Schlussphase sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen.

Der HSV-Coach setzte seine Ankündigung in die Tat um und bot gegen die Freiburger weitgehend jene Akteure auf, auf die er auch in Zukunft bauen will. In der Anfangsphase merkte man den HSV-Akteuren deutlich den Willen an, beim neuen Coach Werbung in eigener Sache betreiben zu wollen. Das Team agierte spielfreudig, ließ allerdings durch Heung Min Son (7.) und Paolo Guerrero (10.) erste Chancen zur Führung aus. Dafür fuhren die Gäste nach 16 Minuten über Cedric Makiadi einen Konter, den Cissé mit seinem 21. Saisontor abschloss.

Der HSV blieb zwar auch in der Folge bemüht, wirkte aber durch den Gegentreffer verunsichert. Nachdem Zé Roberto (33.) und Son (34.) am aufmerksamen Gäste-Keeper Oliver Baumann scheiterten, bot sich dem lauernden Freiburgern durch Makiadi die Möglichkeit zu erhöhen, doch HSV-Schlussmann Frank Rost riss geistesgegenwärtig die Fäuste hoch und parierte.

Nach dem Wiederanpfiff stand Cissé plötzlich frei, brachte den Ball diesmal aber zunächst nicht im Tor unter (49.). Oenning reagierte und brachte in Jonathan Pitroipa eine frische Offensivkraft (56.) für den schwachen Änis Ben-Hatira, dem Ärger droht, weil er statt zur Bank direkt in die Kabine marschierte. Der HSV kämpfte und hatte durch Guerrero (60.) eine Riesenchance, doch der unglücklich agierende Peruaner traf das leere Tor nicht.

Elf Minuten später nahm sich der Jungstar Son ein Herz, doch der 25-Meter-Schuss des Südkoreaners klatschte an den Pfosten. Zu allem Überfluss kassierte der HSV kurz vor Schluss noch den zweiten Gegentreffer. Cissé bleibt mit nunmehr 22 Saisontreffern seinem Rivalen Mario Gomez auf den Fersen.

Hamburger SV:Rost - Diekmeier, Benjamin, Westermann, Aogo - Jarolim (78. Trochowski), Zé Roberto - Ben-Hatira (56. Pitroipa), Elia - Guerrero, Son
SC Freiburg: Baumann - Mujdza, Krmas, Toprak, Butscher (30. Williams) - Schuster - Nicu (74. Caligiuri), Makiadi (83. Reisinger), Rosenthal, Putsila - Cissé
Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
Zuschauer: 52 985
Tore: 0:1 Cissé (16.), 0:2 Cissé (87.)
Gelbe Karten: Aogo (3), Jarolim (9), Zé Roberto (5) / Mujdza (7)
Beste Spieler: Rost, Son / Cissé, Baumann

Mainz – Frankfurt

FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 3:0 (3:0)

Mit dem ersten Derby-Sieg gegen Eintracht Frankfurt in der Bundesliga hat der FSV Mainz 05 einen Riesenschritt in Richtung Europa League gemacht und die Abstiegsnot des hessischen
Rivalen zugleich verschlimmert. Der FSV deklassierte die Eintracht. Die Frankfurter, die unter Christoph Daum nach wie vor auf den ersten Sieg warten, stehen nun auf dem Relegationsplatz.

Andreas Ivanschitz (26. Minute) und der starke Elkin Soto (39., 45.) erzielten die Treffer für das Team von Trainer Thomas Tuchel. Bei den wie ein Absteiger agierenden Frankfurtern sah
Verteidiger Sebastian Rode in der 43. Minute nach einer Notbremse gegen Florian Heller die Rote Karte und fehlt der Eintracht damit am kommenden Samstag im Abstiegsduell gegen den 1. FC Köln.

Die Fans der Frankfurter reagierten auf die desaströse Leistung ihres Teams nach der Pause mit einem Stimmungsboykott. Im Verlauf des ersten Durchgangs waren zudem Gegenstände aus dem Gästeblock auf das Spielfeld geflogen, so dass Schiedsrichter Wolfgang Stark mit einer Unterbrechung der Partie drohte. Die FSV-Fans feierten ihr Team dagegen mit "Europapokal"-Gesängen.

Die 05er zeigten im ersten Durchgang eine Galavorstellung und führten den Rivalen regelrecht vor. Die Mainzer legten sofort ein schnelles Tempo vor, dem die Eintracht zu keiner Zeit
folgen konnte. Die Hausherren wirkten bissiger und entschlossener, während die Gäste einen unverständlich lethargischen Eindruck machten.

Angetrieben vom überragenden Soto erspielte sich der FSV eine Chance nach der nächsten. Ivanschitz scheiterte in der 14. Minute am gut reagierenden Frankfurter Keeper Ralf Fährmann, nur wenig später verpasste Florian Heller eine Hereingabe von Christian Fuchs nur knapp. In der 26. Minute besorgte Ivanschitz die überfällige Führung. Nach schöner Kombination über Schürrle und Lewis Holtby nutzte der Österreicher eine Unachtsamkeit von Benjamin Köhler und stocherte den Ball über die Linie.

Von den erschreckend schwachen Hessen war dagegen abgesehen von einem Kopfball von Theofanis Gekas (32.) rein gar nichts zu sehen. Fast schon teilnahmslos ergab sich die Eintracht in ihr Schicksal. Die Mainzer nutzten die Frankfurter Passivität noch vor der Pause zur Entscheidung.

Soto, der sein wohl bestes Spiel im Mainzer Trikot absolvierte, seit er 2006 nach Deutschland gekommen war, schraubte das Ergebnis bis zum Halbzeitpfiff auf 3:0. Zunächst staubte der Mittelfeldspieler einen Fuchs-Freistoß, den Fährmann nicht festhalten konnte, ab. Dann schlenzte er den Ball aus halblinker Position flach ins lange Eck.

Nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie. Die Frankfurter waren in Unterzahl im Schadensbegrenzung bemüht, die Mainzer nahmen etwas das Tempo aus dem Spiel. Sami Allagui (69.) und Holtby (76.) verpassten einen noch höheren Sieg für die Mainzer.

FSV Mainz 05: Wetklo - Bungert, Svensson, Kirchhoff, Fuchs (58. Fathi) - Polanski, Soto - Schürrle, Holtby, Ivanschitz (76. Risse) - Heller (67. Allagui)
Eintracht Frankfurt: Fährmann - Jung, Rode, Russ, Köhler - Schwegler (85. Vasoski), Clark (21. Fenin) - Ochs, Meier (60. Caio), Altintop - Gekas
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 20 300 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Ivanschitz (26.), 2:0 Soto (39.), 3:0 Soto (45.)
Gelbe Karten: Heller (2) / Fenin (3), Schwegler (7)
Rote Karten: - / Rode (43./Notbremse)
Beste Spieler: Soto, Ivanschitz / Fährmann

Hoffenheim – Stuttgart

1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:2 (1:0)

Mit einem Sieg im Baden-Württemberg-Derby bei 1899 Hoffenheim hat der VfB Stuttgart einen großen Schritt im Kampf um den Verbleib in der Liga gemacht. Cacau (63. Minute) und Zdravko Kuzmanovic (67./Foulelfmeter) schossen die Gäste aus der Gefahrenzone und verdarben dem Rivalen in dessen 100. Bundesligaspiel zugleich das Jubiläum. Peniel Mlapa (14.) hatte Hoffenheim in Führung gebracht.

Die Stuttgarter können mit nunmehr 39 Punkten nicht mehr direkt absteigen. Zugleich bauten sie den Vorsprung auf den Relegationsplatz, den Eintracht Frankfurt einnimmt, auf fünf Zähler
aus. Die VfB-Fans skandierten daher schon Minuten vor dem Abpfiff "nie mehr zweite Liga".

Von Beginn an entwickelte sich ein umkämpftes Derby. Die Hoffenheimer erwischten den besseren Start und gingen nach einer unglücklichen Aktion von VfB-Torhüter Sven Ulreich in Führung. Einen Rückpass des von Mlapa bedrängten Serdar Tasci wollte Ulreich mit dem Kopf stoppen, doch das Leder sprang ihm zu weit weg und dem Hoffenheimer Stürmer direkt vor die Füße.

Der VfB zeigte sich nur kurz geschockt. Fast im Gegenzug verpasste Rechtsverteidiger Khalid Boulahrouz bei einem Pfostenschuss hauchdünn den Ausgleich. Dies blieb zunächst jedoch ein Strohfeuer, denn ansonsten konnten die Stuttgarter dem Spiel nur selten ihren Stempel aufdrücken.

Hoffenheim wirkte spielerisch reifer und stand in der Defensive gut organisiert. Vielmehr bewahrte Ulreich die Schwaben bei einem 20-Meter-Schuss von Gylfi Sigurdsson mit einer Glanzparade vor dem zweiten Gegentor.

Sechs Minuten vor der Pause brannte es dann doch noch lichterloh im Strafraum der TSG. Zunächst entschärfte Hoffenheims Keeper Tom Starke ein Geschoss von Kuzmanovic per Fußabwehr, Sekunden später rettete Isaac Vorsah nach einem Lupfer von Cacau kurz vor der Linie für seinen schon geschlagenen Schlussmann.

Für den ersten Aufreger nach der Pause sorgten wieder die Gastgeber. Einen Kopfball von Ryan Babel (52.) kratzte Ulreich mit einem Reflex von der Linie, Mlapas Nachschuss blockte Georg
Niedermeier in letzter Sekunde ab. Doch auch Stuttgart agierte nun mit mehr Schwung und wurde für seine Bemühungen belohnt, als Cacau nach einem tollen Zuspiel von Martin Harnik frei vor Starke die Nerven behielt.

Und der VfB legte sogar nach. Nach einem Foul von Vorsah an Harnik entschied Schiedsrichter Felix Brych auf Elfmeter, Kuzmanovic verwandelte. Der Doppelschlag hinterließ deutliche Wirkung bei den Hausherren, die nun völlig den Faden verloren. Zwei Minuten vor dem Ende hatte Sigurdsson dennoch den Ausgleich auf dem Fuß, doch der Isländer traf mit einem Freistoß nur den Innenpfosten.

1899 Hoffenheim: Starke - Beck (79. Ibisevic), Vorsah, Compper, Braafheid - Rudy, Alaba - Roberto Firmino (64. Ibertsberger), Sigurdsson, Babel - Mlapa
VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Boka - Träsch, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal (84. Gentner), Okazaki (59. Pogrebnjak) - Cacau (90. Delpierre)
Schiedsrichter: Brych (München)
Zuschauer: 30 150 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Mlapa (14.), 1:1 Cacau (63.), 1:2 Kuzmanovic (68./Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Beck (7), Vorsah (3) / Cacau (4), Hajnal (1)
Beste Spieler: Rudy, Mlapa / Harnik, Cacau

Köln – Leverkusen

1. FC Köln – Bayer Leverkusen 2:0 (0:0)

Volker Finke hat mit einem gelungenen Comeback auf der Trainerbank dem 1. FC Köln neuen Mut im Abstiegskampf gegeben und Borussia Dortmund den Weg zur siebten deutschen Meisterschaft
bereitet. Beim Sieg der Kölner gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen erzielte  Milivoje Novakovic beide Treffer (67. und 82. Minute).

Bayer hat durch den ersten Kölner Derby-Sieg seit fast 14 Jahren sowohl die letzte Chance auf Platz eins als auch die vorzeitige Qualifikation für die Champions League verpasst.

FC-Coach Volker Finke änderte die Kölner Startelf wie angekündigt auf mehreren Positionen. Routinier Petit kehrte zusammen mit Kevin Pezzoni ins defensive Mittelfeld zurück. Martin Lanig stand wegen eines gebrochenen Zehs nicht zur Verfügung. Adil Chihi spielte neben Kapitän Lukas Podolski in der Offensive. Bayer-Coach Jupp Heynckes vertraute bis auf einer Änderung der siegreichen Mannschaft aus der Vorwoche. Gonzalo Castro spielte im linken Mittelfeld, Kapitän Simon Rolfes musste dafür auf der Bank Platz nehmen.

Das 52. rheinische Derby begann mit ein Pfiffen gegen Finke und einer zunächst engagiert wirkenden Kölner Elf. Nach acht Minuten konnte sich Mato Jajalo gegen den erneut als Rechtsverteidiger spielenden Arturo Vidal durchsetzen, sein Schuss aus spitzem Winkel war für René Adler im Bayer-Tor aber kein Problem. Die beste Kölner Chance der ersten Halbzeit vergab kurz darauf Novakovic, der eine scharfe Hereingabe von Podolski knapp verpasste (13. Minute).

Köln stellte danach jegliche Offensivbemühungen ein und spielte umständlich und behäbig. Die Partie wirkte emotionslos, von einem Aufbäumen im Abstiegskampf war nichts zu sehen. Lediglich Gonzalo Castro hatte nach feinem Pass des starken Michael Ballack die Gelegenheit zur Führung für Bayer. Frei vor Rensing schoss Castro aber neben das Tor (24.). Weder Leverkusen noch die Finke-Truppe ließen aber Ambitionen erkennen, das Spiel mit aller Macht gewinnen zu wollen.

Zumindest Heynckes schien in der Halbzeitpause die richtigen Worte gefunden zu haben. Zielstrebig und konzentriert kam Bayer aus der Kabine und setzte Köln unter Druck. Renato Augusto zielte nach 50 Minuten aber aus etwa 20 Metern zu hoch. Eine Minute später scheiterte Nationalstürmer Stefan Kießling an der Querlatte. Auf der Gegenseite verpasste erneut Novakovic die Gelegenheit, Köln in Führung zu schießen (56.).

Die bis dahin beste Chance des Spiels vergab Ballack nach 63 Minuten. Aus kurzer Distanz scheiterte er per Kopf am herausragend reagierenden Rensing. Wie aus dem Nichts gelang Novakovic auf der Gegenseite dann sein 15. Saisontor, das Köln im Abstiegskampf wieder Luft verschafft. Beim Pfostenschuss von Renato Augusto (75.) hatte der FC abermals Glück, ehe erneut Novakovic mit einem Abstauber alles klar machte.

1. FC Köln: Rensing - Brecko, Geromel, Mohamad, Eichner - Petit (87. McKenna), Pezzoni (85. Matuschyk) - Chihi (78. Freis), Podolski, Jajalo - Novakovic
Bayer Leverkusen: Adler - Vidal, Schwaab, Hyypiä, Kadlec - Bender (78. Rolfes), Ballack - Sam (70. Derdiyok), Renato Augusto, Castro (70. Barnetta) - Kießling
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 50 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Novakovic (67.), 2:0 Novakovic (82.)
Gelbe Karten: Eichner (3), Geromel (7) / Bender (3), Kießling (3)
Beste Spieler: Novakovic, Brecko / Ballack, Kadlec

Hannover – Gladbach

Hannover 96 – Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Borussia Mönchengladbach hat den Champions-League-Ambitionen von Hannover 96 einen herben Dämpfer erteilt und neue Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg geschöpft. Die Borussia liegt nach dem zweiten Erfolg hintereinander nur noch drei Punkte hinter dem rettenden 15. Platz. Marco Reus (76. Minute) besiegelte mit einem Weitschuss den ersten Auswärtserfolg unter Trainer Lucien Favre für den Tabellen-Vorletzten.

Hannover zeigte eine ganz schwache Leistung und verlor erstmals nach zuvor fünf Siegen wieder ein Heimspiel. Die Niedersachsen, die bereits für die Europa League qualifiziert sind, schien die Aussicht auf die europäische Königsklasse von Beginn an zu lähmen. Mit der ersten Heimniederlage gegen Gladbach seit März 1989 verlor 96 im Rennen um Platz drei wertvolle Zähler.

Gegen den Tabellen-17., den Hannover in den vergangenen beiden Heimspielen mit 5:1 und 6:1 abgefertigt hatte, zeigte 96 in der Defensive Abstimmungsprobleme und spielte nach vorne nicht so zielstrebig wie sonst. Der Abstiegskandidat vom Niederrhein, der aus einer soliden Grundordnung heraus immer wieder gefährlich vor das Tor von Ron-Robert Zieler kam, war das klar bessere Team.

Allein der ehemalige 96-er Mike Hanke hätte Gladbach gleich zweimal früh in Front schießen können. Bereits nach fünf Minuten vergab er aus kurzer Distanz. Keine drei Minuten später verzog Hanke knapp, nachdem er Emanuel Pogatetz genarrt hatte.

Hannover blieb harmlos, während die Gladbacher lange zu sorglos mit ihren Möglichkeiten umgingen. Jungstar Reus zeigte sich zweimal nicht konzentriert genug (28./34.) und hatte nach dem Wechsel alleine auf Zieler zustürmend (53.) und bei einem knapp verzogenen Freistoß (63.) Pech. Mohammadou Idrissou köpfte nur an die Latte (72.).

Von einer möglichen Verunsicherung bei den Gladbachern, bei denen das Idol Stefan Effenberg mit seiner Ankündigung, Sportdirektor Max Eberl beerben zu wollen, für Unruhe gesorgt hatte, war wenig zu spüren. Die rund 3000 mitgereisten Gladbacher Fans feierten ihr Team und zeigten Effenberg per Spruchband, was sie von seinem Vorhaben halten: "Tiger du hast falsche Freunde."

Hannover enttäuschte auch nach dem Wechsel auf ganzer Linie. Trotzdem mussten die Gäste lange auf den verdienten Auswärtssieg warten. Erst Reus erlöste die Borussen mit seinem Traumtor.

Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto, Schlaudraff (77. Stoppelkamp), Rausch (88. Forssell) - Ya Konan, Abdellaoue
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Brouwers, Daems - Nordtveit, Neustädter - Reus (87. Marx), Arango (90.+1 Schachten) - Hanke (71. Matmour), Idrissou
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 48 800
Tor: 0:1 Reus (76.)
Gelbe Karten: Haggui (3), Pinto (11) / -
Beste Spieler: Zieler / Reus, Stranzl, Hanke

Lautern – St. Pauli

1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli 2:0

Mit einem verdienten Erfolg im Aufsteigerduell hat der 1. FC Kaiserslautern den Klassenverbleib so gut wie geschafft und die Lichter am Hamburger Millerntor wohl endgültig ausgeknipst. Dank der Treffer von Christian Tiffert (29. Minute) und Mathias Abel (69.) stockten die "Roten Teufel" ihr Konto auf 40 Punkte auf und dürfen nun für die nächste Saison im Oberhaus planen. Dagegen kann den seit nun bereits zehn Spielen sieglosen Tabellenletzten aus Hamburg (29) nur noch ein Wunder retten.

"Für uns kann es nur aufwärts gehen, weiter nach unten geht ja nicht", sagte vor dem Anpfiff St. Paulis Coach Holger Stanislawski, der mehr als ein halbes Dutzend verletzter Stammspieler ersetzen musste. Er bot Marcel Eger zur Verstärkung der zuletzt anfälligen Hintermannschaft auf und zog Fin Bartels wieder vor ins offensive Mittelfeld. Die Gäste hatten Glück, dass Schiedsrichter Günter Perl nach Hlouseks Freistoß nicht früh auf Elfmeter entschied, denn der in Mauer stehende Florian Lechner klärte den Schuss mit der Hand (8.).

Die Pfälzer waren zwar die aktivere Mannschaft, hatten aber immer wieder Probleme bei Kontern. Charles Takyi (20.) und Lechner (27.) scheiterten dabei an FCK-Keeper Kevin Trapp, ehe auf der Gegenseite Tiffert eine präzise Flanke von Leon Jessen per Kopf zu seinem zweiten Saisontreffer verwertete. Damit machte der Kapitän auch sein Eigentor aus dem mit 0:1 verlorenen Hinspiel wett.

In der Folge verstärkten die Hanseaten ihre Bemühungen und drückten auf den Ausgleich, so dass Trapp immer mehr in den Mittelpunkt rückte. Der Lauterer Tormann rettete gegen den frei vor ihm aufgetauchten Gerald Asamoah (40.) und drei Minuten später per Fußabwehr gegen Max Kruse die insgesamt glückliche Führung in die Pause – und wurde von den Fans lautstark gefeiert.

Auch nach dem Wiederanpfiff bemühten sich die kämpfenden Paulianer, ihnen fehlte jedoch wie schon in den vorherigen neun sieglosen Partien die Konsequenz im Abschluss. Die Hausherren standen dagegen hinten kompakter.

Dann aber sorgte der starke Tiffert (67.) vor 49.780 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion mit einem Zwölf-Meter-Schuss für den ersten Aufreger in der zweiten Halbzeit. Nach der folgenden Ecke und schöner Vorarbeit von Tiffert war dann Abel per Kopf zur Stelle und sorgte für die Vorentscheidung. Gegenspieler Ralph Gunesch kam nicht nur in dieser Szene zu spät und sah denkbar schlecht aus. Auf der Gegenseite bot sich dem eingewechselten Marius Ebbers (81.) die erste nennenswerte Torchance nach der Pause, doch sein Schuss aus vier Metern strich bezeichnenderweise am Lauterer Gehäuse vorbei.

1. FC Kaiserslautern: Trapp - Kirch, Abel, Rodnei, Jessen - Tiffert (86. Bugera), Petsos, Hlousek, de Wit (76. Moravek) - Hoffer (70. Nemec), Lakic

FC St. Pauli: Pliquett - Lechner, Thorandt, Eger, Gunesch (72. Naki) - Daube (72. Ebbers), Lehmann - Bartels, Takyi (85. Bruns),Kruse – Asamoah

Schiedsrichter: Perl (Pullach)

Zuschauer: 49 780 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Tiffert (29.), 2:0 Abel (68.)

Gelbe Karten: - / Thorandt (8)

Beste Spieler: Tiffert, Trapp / Lehmann, Bartels

Werder Bremen – VfL Wolfsburg

Werder Bremen – VfL Wolfsburg 0:1

Meistertrainer Felix Magath macht dem VfL Wolfsburg auch im Abstiegskampf Beine. Der Titelträger von 2009 gewann das Nordderby bei Werder Bremen und verließ durch den zweiten Sieg in Serie den Relegationsplatz 16. Der Treffer von Sascha Riether (22.) entfachte dazu die Abstiegsangst in Bremen neu. Denn Werder liegt nach dem siebten sieglosen Heimspiel in Serie nur noch drei Punkte vor den "Wölfen".

Eigentlich wollten die Bremer ihrem Trainer "den Geburtstag nicht versauen", wie Torsten Frings vor der Partie sagte. Thomas Schaaf wird am Samstag fünfzig Jahre alt. Werders Kapitän wiederum bestritt sein 400. Bundesliga-Spiel und gab mit einer ersten Freistoß-Chance in der 11. Minute zunächst die Richtung vor. Denn die Bremer waren in einer flotten Anfangsphase die überlegene Mannschaft.

Mit seiner ersten Gelegenheit ging allerdings der vom engagierten Ex-Bremer Diego angetriebene VfL in Führung. Werders Torwart Tim Wiese ließ einen Schuss von Cicero genau vor die Füße von Riether abprallen, der beim Abstauben keine Mühe hatte. Damit zahlte sich früh aus, dass Magath den Brasilianer Cicero etwas überraschend im Team gelassen und Ashkan Dejagah trotz seiner beiden Tore gegen Köln wieder auf die Bank gesetzt hatte. Nur sechs Minuten später klärte Wiese gegen Mario Mandzukic deutlich energischer (28.).

Vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion verloren die Bremer nun ihre Linie. Wolfsburg überließ ihnen zwar weiter das Feld, konterte aber gleich mehrfach gefährlich. Der VfL war dem 2:0 so näher als Werder dem 1:1, da den Gastgebern auch nicht viel mehr einfiel, als es mit Schüssen aus der Distanz zu versuchen.

Auch wenn Werder durch Marko Marin (54.) die erste gute Chance der zweiten Halbzeit besaß, änderte sich an diesem Eindruck kaum etwas. Wolfsburg hatte das Spiel weiter im Griff, wirkte deutlich sicherer und setzte wie bei einem Angriff über Diego und Grafite (56.) oder einer Chance von Marcel Schäfer (68.) auf Konter.

Den Bremern fehlte am Freitag eine Kreativkraft wie er, sie fanden gegen die kompakten Wolfsburger keine spielerischen Mittel. Außerdem konnte Millionen-Einkauf Marko Arnautovic den verletzten und zuletzt so auffälligen Sandro Wagner im Angriff nicht ersetzen. In den letzten 25 Minuten machte Werder noch einmal Druck, wendete diesen Rückschlag nach acht Spielen ohne Niederlage aber nicht mehr ab.

Diego wurde bei seiner Rückkehr ins Weserstadion freundlich empfangen. Es gab weder Pfiffe noch überschwänglichen Jubel für den Brasilianer, der von 2006 bis 2009 insgesamt 84 Bundesliga-Spiele für Werder bestritt, ehe er über den Umweg Turin beim VfL landete.

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Pasanen, Silvestre - Frings (77. Stevanovic) - Bargfrede (65. Schmidt), Wesley (65. Hunt) - Marin - Pizarro, Arnautovic

VfL Wolfsburg: Benaglio - Riether, Kjær, Friedrich, Schäfer - Josué - Polak (52. Madlung), Cicero (66. Hasebe) - Diego (79. Tuncay) - Mandzukic, Grafite

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 40.000 (ausverkauft)

Tor: 0:1 Riether (22.)

Gelbe Karten: Frings (7), Mertesacker (1) / Cicero (6), Friedrich (6), Grafite (5), Mandzukic (6)

Beste Spieler: Frings / Josué, Riether