Zweifellos gibt es schwule Bundesligaspieler, zweifellos das Tabu Homosexualität, selbst im Frauenfußball, obwohl es kein Geheimnis (und kein Skandal) ist, dass viele deutsche Fußballerinnen lesbisch sind. Und zweifellos ist "schwul" ein Schimpfwort im Fußball. Der Schiri wird als "Schwuchtel" betitelt, die Schalker Fans besingen Köln als "Hauptstadt der Schwulen". In Rostock grölt das ganze Stadion: "Wir haben einen Hassgegner, das sind die schwulen Hamburger!" Man kann darüber streiten, ob das Gepöbel immer Ausdruck von Schwulenfeindlichkeit ist. Einschüchternde Wirkung hat es.

Das Aufweichen von Homophobie, der unbegründeten Angst vor Homosexuellen, ist ein Kern der Politik des DFB. Unter Präsident Theo Zwanziger arbeitet der Verband seit fünf Jahren mit der EGLSF (European Gay and Lesbian Sport Federation), den Queer Football Fanclubs , dem LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) und weiteren Gruppen zusammen, fördert sie bei Publikationen und Veranstaltungen.

Drei Beispiele: Zur Frauen-WM 2011 plant die DFB-Kulturstiftung, an allen neun Spielorten das Theaterstück "Seitenwechsel" aufführen zu lassen, das die Geschichte eines schwulen Fußballtrainers behandelt. Vor dem Länderspiel gegen Finnland in Hamburg im Jahr 2009 organisierte der DFB einen Runden Tisch gegen Homophobie mit anschließendem Pressegespräch. Derzeit konzipiert der Verband unter Federführung der Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling eine Broschüre mit Informationen für alle Vereine.

Zudem tritt der DFB öffentlich für seine Sache ein. Theo Zwanziger hat im Völklinger Kreis, dem Bundesverband schwuler Führungskräfte, eine Rede gehalten – erstaunlich für ein CDU-Mitglied. Auf dem Christopher-Street-Day sponsert der DFB seit drei Jahren einen Wagen.

In der DFB-Kommission Nachhaltigkeit , wo das Thema Homophobie verortet ist, verantwortet die Sonderpädagogin und EGLSF-Delegierte Tanja Walther-Ahrens den Bereich Bildung. Die Homosexuelle ist Vertraute Zwanzigers, sie schätzt sein Engagement: "Theo Zwanziger hat uns sehr viel unterstützt, zum einen durch Geld, zum anderen durch seine Aussagen und seine Präsenz. Die lesbisch-schwule Community Deutschlands ist ihm zu Dank verpflichtet."

Das Engagement des DFB fällt auf, weil sich Zwanzigers Vorgänger nicht um das Thema kümmerten. Zudem ist zweifelhaft, wie sehr das DFB-Präsidium hinter Zwanzigers Anliegen steht oder ob er ein Eizelkämpfer ist. Auch an der Basis findet er noch nicht überall Unterstützung, Ausnahmen sind die Landesverbände Berlin und Mittelrhein. Beide gelten als offen für Zwanzigers Ansinnen, weil in Berlin und Köln überdurchschnittlich viele Schwule leben.