ZEIT ONLINE: Wie ist es zu dem spektakulären Wechsel nach London gekommen?

Jens Lehmann: Spektakulär? Das weiß ich gar nicht. Sagen wir: überraschend. Der Torwarttrainer hat angerufen, das ist noch der gleiche wie damals, als ich bei Arsenal gespielt habe. Später hat auch der Trainer Arsène Wenger angerufen und gefragt, ob ich kommen könnte. Und da habe ich gesagt: Ja, klar, kann ich. Das ist noch einmal eine schöne Erfahrung für acht Wochen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie lange überlegen müssen, ob Sie das Angebot annehmen?

Lehmann: Nein. Ich bin ja gerne in London. Und die Aussicht, noch einmal auf höchstem Niveau mitzutrainieren und vielleicht auch zu spielen, ist doch toll. Ich wollte sowieso noch einmal zu Arsenal, um mich auf meinen Trainerschein vorzubereiten. Jetzt spiele ich zwar mehr mit, als dass ich zuschaue, aber es ist trotzdem sehr interessant und lehrreich.

ZEIT ONLINE: Was wird Ihre Rolle in der Mannschaft sein? Wird es eine Neuauflage des Konkurrenzkampfes mit Ihrem alten Rivalen Manuel Almunia geben?

Lehmann: Sagen wir mal so: Ich muss natürlich gut sein im Training – damit er besser wird. Manuel Almunia war die Nummer drei, durch die Verletzungsmisere ist er jetzt die Nummer eins. Als ich kam, habe ich ihm gleich gesagt, dass ich diesmal da bin, um ihn zu unterstützen. Die Konkurrenzsituation ist immer förderlich. Wir wollen ja Meister werden.

ZEIT ONLINE: Bei den Spielen werden Sie aber erstmal auf der Bank sitzen.

Lehmann: Natürlich. Ein Spiel gegen West Bromwich Albion hatten wir schon, in dem ich auf der Bank gesessen habe. Was ich so nicht erwartet habe: Dass die Erwartungshaltung mir gegenüber sehr hoch ist.

ZEIT ONLINE: Darauf sind Sie stolz.

Lehmann: Überrascht…

ZEIT ONLINE: Ist aber doch sicher besser, als wenn alle sagen: Oh Gott, jetzt kommt der alte Lehmann aus der Rente zurück.

Lehmann: Das hätte ich sogar ganz lustig gefunden, um zu zeigen, dass ich fitter bin als gedacht. Das wussten die anderen ja nicht.

ZEIT ONLINE: Gibt es in der Mannschaft noch Kollegen, mit denen Sie schon gespielt haben?

Lehmann: Ja, relativ viele! Aber das Verhältnis zu ihnen hat sich verändert. Ich war ja schon der Älteste, als ich vor drei Jahren hier wegging. Manche von denen könnten meine Söhne sein! Deshalb geht es für mich auch nicht so sehr darum, wie sie mich aufnehmen, sondern darum, dass ich ihnen die alten Werte eines gestandenen Fußballprofis rüberbringe. Vielleicht ist das hier im Moment meine wichtigste Aufgabe.