ZEIT ONLINE: Herr Gruschwitz, nach welchen Kriterien entscheiden Sie beim ZDF, über welche Sportart sie berichten?

Dieter Gruschwitz: Bei längeren Übertragungen prüfen wir zunächst die Rechtslage. Ist für das entsprechende Sportereignis nach unserer Einschätzung ein großes Zuschauerinteresse vorhanden, so bitten wir die ZDF-Programmplanung um Prüfung einer möglichen Platzierung.

ZEIT ONLINE: Es geht also nur danach, was die Leute interessiert? Ausgewogenheit ist bei Ihnen kein Kriterium?
 


Gruschwitz: Was die Leute interessiert, ist das oberste Kriterium – wir können ja kein Programm machen, was am Zuschauer vorbeigeht. Natürlich beachten wir auch, dass wir im Sinne unseres programmmäßigen Auftrags eine gewisse Bandbreite an Sportarten abbilden. Wir versuchen immer, etwa in der Sportreportage am Sonntag, auch Sportarten zu zeigen, die in anderen Formaten, etwa in Live-Sendungen keine Chance haben.

ZEIT ONLINE: Sie werden ab 2012 die Bundesliga, die Nationalelf und die Champions League zeigen . Ist das nicht zu viel Fußball?

Gruschwitz: Nein, weil der Fußball keinen anderen Sport verdrängt, wenn wir die Champions League übertragen. Die Champions League findet an Dienstag- und Mittwochabenden statt, an denen sonst kein Sport gesendet wird. Das weitere Sportprogramm wird nicht unter unserem Engagement für die Champions League leiden.

ZEIT ONLINE: Aber die Sportberichterstattung wächst auf Kosten von Politik oder Kultur?

Gruschwitz: Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, die von der Geschäftsleitung des Hauses getroffen wird. Wir sagen: Die Champions League ist eine insgesamt interessante Ware für das ZDF, die profilbildend ist und dem ZDF junges Publikum zuführt. Die Champions League wird dem Sender – und das sage ich nicht nur unter dem Aspekt der Quoten – sehr gut tun.

ZEIT ONLINE: Sie haben mehr als 50 Millionen Euro Gebührengelder pro Saison für die Champions League bezahlt. Sind Sie mal auf den Gedanken gekommen, dass Sie zu viel Geld ausgeben, um pro Jahr 18 Fußballspiele live zeigen zu können?

Gruschwitz: Ich weiß nicht, woher Sie die Zahl von mehr als 50 Millionen Euro haben? Ich sage das jetzt nicht als Vorwurf, sondern als Hinweis an Sie als seriöser Journalist: Man sollte nicht immer all das glauben, was woanders geschrieben steht. Die Zahl stimmt einfach nicht.

ZEIT ONLINE: Wie ...

Gruschwitz: ...nein, ich werde auch keine Zahl nennen, das müssen sie verstehen. Die Champions League hat ihren Wert, der ist auch dokumentiert in einem hohen Preis. Aber das ist ein Preis, den andere früher auch gezahlt haben. Die Champions League ist in der Akzeptanz der Zuschauer ein Premiumprodukt. Und so eine Ware hat heutzutage auch ihren Preis.

ZEIT ONLINE: Das heißt, es stimmt nicht, dass das ZDF mehr für die Rechte bezahlt hat, als zuvor Sat.1?

Gruschwitz: Das habe ich nicht gesagt. Ich weiß auch nicht, was zuvor Sat.1 gezahlt hat.

ZEIT ONLINE: Wieso verraten Sie nicht, wie viel das ZDF für die Rechte bezahlt? Das wäre transparent, schließlich reden wir über Gebührengelder.

Gruschwitz: Wie in allen Verträgen gibt es auch hier eine Vertraulichkeitsklausel. Ich weiß, dass das bei anderen Verhandlungen, ich denke da an die Leichtathletik , von der anderen Seite nicht so gehandhabt wurde. Aber ich werde keinen Vertragsbruch begehen.