Nachdem Manuel Neuer am Mittwochvormittag fünf Sätze in sein Facebook-Profil tippte , war die Aufregung groß. "Ich habe den Verantwortlichen auf Schalke mitgeteilt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde", hatte der Nationaltorwart geschrieben. Ein Wechsel zum FC Bayern scheint damit sicher. Innerhalb von 25 Minuten kommentierten 1600 User. Einige wünschten Glück, viele schimpften, andere beleidigten. So viel Emotion war selten.

Der Transfer des 25-Jährigen regt Fans, Zuschauer und Journalisten auf. Dabei ist der bevorstehende Wechsel abseits aller Sentimentalitäten folgerichtig und verständlich.

Lange galt der Torwart des FC Schalke 04 als Sonderfall. Wenn einer immun wäre gegen die Verlockungen des Geldes, dann er, dachten viele Fans. Schließlich soll Neuer stets ein Shirt seiner Schalker Fan-Gruppierung "Buerschenschaft" unter dem Torwartdress tragen. Unvergessen auch sein Torjubel in München vor zwei Jahren: Er missbrauchte die Eckfahne und veralberte damit Oliver Kahn. Das zeigte doch, was Neuer vom FC Bayern hielt, meinte man.

Doch am Ende ist das alles nur Folklore: In Manuel Neuer wechselt der beste Torhüter des Landes zum besten Fußballverein des Landes. Klingt logisch, ist es auch. 

 Es ist vor allem die sportliche Perspektive, die Neuer nach München zieht. Sicherlich wird der FC Bayern dem Torwart auch ein paar Euro mehr überweisen können, als die finanziell angeschlagenen Gelsenkirchener. Der entscheidende Grund für seinen Wechsel wird das nicht gewesen sein. Die Schalker werden Neuer, welch Ironie, während der eigenen rauschenden Champions-League-Abende verloren haben. Neuer wird Lust bekommen haben, auf das San Siro in Mailand, wird sich auf Old Trafford in Manchester freuen. Stadien, Bühnen, die er mit dem FC Bayern kurz-, mittel- und langfristig sicher häufiger bespielen können wird als mit Schalke 04. Bühnen, die er braucht, um Nationaltorwart zu bleiben und sich tatsächlich zum besten Torwart der Welt zu entwickeln.

In München freuen sich zumindest die Verantwortlichen, dass sie wieder Deutschlands Nummer eins ins Bayern-Tor stellen können. Nach dem Talent Thomas Kraft und dem Oldie Hans-Jörg Butt sehnten sie sich nach einem Hochkaräter. Jetzt muss der Verein nur noch seine Ultra-Fans befrieden, die dem gebürtigen Gelsenkirchener gar nicht wohl gesonnen sind . Spätestens wenn die Bayern dank Neuers Paraden den Champions-League-Titel gewinnen, werden sich aber auch die Ultras freuen.