Das, was die Frauen von den Männern zuletzt hörten, war keine Rückendeckung. Ihre Fußball-WM, die vom 26. Juni bis 17. Juli in Deutschland stattfinden wird, sei "kein Selbstläufer", man müsse mit leeren Rängen rechnen, sagte Reinhard Rauball , der Präsident der Deutschen Fußball-Liga.

Nach Angaben des DFB sind jedoch bereits mehr als zwei Drittel aller Tickets verkauft, etwa 570.000 von 800.000. Für 10 von 32 Spielen gebe es keine Karten mehr, darunter alle deutschen, das Finale und das Eröffnungsspiel in Berlin, das vor der Weltrekordkulisse von 70.000 Menschen stattfinden wird. Angeblich sind für jedes Spiel, also auch Australien gegen Äquatorialguinea, bislang mindestens 12.000 Tickets über den Tisch gegangen.

Ob nun jedes Spiel bis auf den letzten Platz ausverkauft sein wird oder nicht, die Experten sind sich einig: Das Turnier 2011 wird den Frauenfußball aufwerten. Die Begründungen erschließen sich aus den Neuerungen: Erstmals ist jedes Spiel eine einzelne Veranstaltung, bei früheren Turnieren fanden oft zwei an einem Tag im selben Stadion als Doubleheader statt. Erstmals werden alle Spiele live in der ARD oder im ZDF gezeigt. Erstmals seit zwölf Jahren findet eine Frauen-WM wieder im Sommer statt, die Konkurrenz Männerfußball mit ihren wertvollen Marken Bundesliga und Champions League wird umgangen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung die WM hat, wie viel Geld sich mit ihr verdienen lassen wird, ist jedoch unklar. Das Budget, aus dem der DFB alle WM-Ausgaben finanziert, beträgt 51 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das für die Handball-WM der Männer 2007 betrug gerade mal acht Millionen, nicht mal ein Sechstel der WM 2011. Das Budget der WM 2006 bezifferte sich dagegen auf 430 Millionen, mehr als das Achtfache.

Die Männer-WM vor fünf Jahren, mit dem die WM 2011 reflexhaft verglichen wird, war ein internationales Event, auf Deutschlands Straßen tanzten Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Die WM 2011 wird anders. Das Turnier ist ein Bündel von lokalen Veranstaltungen. Etwa neun von zehn Tickets wurden bislang in Deutschland veräußert, der Großteil davon im Umfeld der neun Spielorte. Mit Touristen aus allen Ländern ist nicht zu rechnen, allenfalls aus den USA und Schweden erwartet der DFB eine Fan-Community.

"Eine Frauen-WM", sagt Jens Grittner, der Medienchef des Organisationskomitees (OK), "ist Neuland für uns und Neuland für die Sponsoren, da braucht es Kreativität und Mut." Daher hat das OK seine Strategie gegenüber 2006 geändert. "Wir denken 'from local to global'", sagt Grittner, "wir haben mit den Spielorten begonnen, Vereine und Schulen in deren Nähe in die Vermarktung einbezogen, Veranstaltungen durchgeführt, konzentrische Kreise um die Spielorte gezogen".

Das finanzielle Risiko hält sich für den DFB in Grenzen. Er hat zwei Einnahmequellen: Erstens steuern die sechs DFB-Sponsoren Bitburger, Commerzbank, Deutsche Post, Rewe, Deutsche Telekom und Allianz insgesamt 24 Millionen bei. Zu den "Partnern", wie es im Werbejargon heißt, zählen zudem Ausrüster Adidas und der DFB-Generalsponsor Mercedes-Benz. Zweitens, und das ist die einzige Variable, finanziert er sich über Tickets: Um das Ziel, die schwarze Null, zu erreichen, müssen etwa achtzig Prozent der Tickets (rund 650.000 zum Durchschnittspreis von etwa 33 Euro) verkauft werden, also nur noch etwa 80.000.

Egal, ob das deutsche Team seine Spiele gewinnt oder verliert, für den Fußballverband dürfte sich das Event Frauen-WM also lohnen. Aber was erwarten diejenigen, die am meisten investieren? Von den Sponsoren hört man Unterschiedliches.