Kurz vor der Wahl des Fifa-Präsidenten haben der einflussreiche Englische Fußballverband und hochkarätige Sponsoren den Druck auf Amtsinhaber Joseph Blatter erhöht. Die Engländer forderten angesichts der im Raum stehenden Korruptionsvorwürfe eine Verschiebung der für Mittwoch geplanten Abstimmung. Zugleich riefen sie andere nationale Verbände auf, es ihnen gleichzutun. Die Schotten schlossen sich der Forderung an. So soll neben Blatter wenigstens ein weiterer Kandidat gefunden werden, der in das Rennen um die Spitze im Fußball-Weltverband geht.

Der 75-jährige Schweizer ist der einzige verbliebene Anwärter, nachdem der von der Fifa-Ethikkommission am Wochenende suspendierte Katarer Mohamed bin Hammam seine Bewerbung zurückgezogen hatte. Blatter leitet die Fifa seit 1998, er bewirbt sich um seine vierte Amtszeit.

Mehrere Spitzenfunktionäre stehen derzeit im Zentrum einiger der schwerwiegendsten Korruptionsvorwürfe in der Geschichte des Weltverbands. Sowohl bei der anstehenden Präsidentenwahl als auch bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an das Emirat Katar sollen Schmiergelder geflossen sein.

"Die gegenwärtige Lage ist eindeutig nicht gut für das Spiel. Wir rufen die Fifa auf, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um die aufgekommenen Bedenken zu klären", erklärte das Kreditkartenunternehmen Visa. Auch die Fluggesellschaft Emirates schloss sich den wichtigen Fifa-Sponsoren Coca-Cola und Adidas an, die sich ebenfalls besorgt geäußert hatten.

Insbesondere die Ereignisse der vergangenen Tage machten eine Wahl an diesem Mittwoch unmöglich, begründete der Schottische Verband seine Entscheidung, sich wie die Engländer für eine Verschiebung der Abstimmung stark zu machen. Ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bunds sagte, der DFB werde sich zu dem Aufruf noch äußern. Zunächst wolle man vor Ort in Zürich, wo der Fifa-Präsident gewählt werden soll, mit anderen Verbänden Gespräche führen und sich einen Überblick über die aktuelle Situation verschaffen.

Für Kopfschütteln sorgte Blatter am Montag, als er versuchte, die aktuellen Geschehnisse herunterzuspielen. "Krise? Welche Krise?", sagte er auf einer angespannten Pressekonferenz. Es gebe lediglich "ein paar Schwierigkeiten, und sie werden innerhalb unserer Familie geklärt werden".

Neben Bin Hammam, dem Chef des asiatischen Fußballverbandes, suspendierte die Ethikkommission auch den Präsidenten des Nord- und Mittelamerikanischen Verbandes Concacaf, Jack Warner, wegen Bestechungsvorwürfen. Sie sollen den Vertretern der Karibikstaaten je 40.000 Dollar geboten haben, wenn sie für Bin Hammam stimmen. Auch Blatter musste vor der Ethikkommission erscheinen, weil er von Bestechungsversuchen gewusst haben soll. Er wurde aber freigesprochen. Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke sieht sich mit einer internen E-Mail konfrontiert, in der er angibt, Katar habe sich die WM erkauft. Dies habe er so nicht gemeint, sagte er dazu. Das Emirat hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Sylvia Schenk von Transparency International sagte, die Fifa solle die Wahl verschieben, alles aufklären, sich etwas Zeit nehmen und dann eine Abstimmung abhalten.