Am Ende ist es keine Überraschung mehr. Eintracht Frankfurt, in der Winterpause noch Tabellensiebter, muss nach der Niederlage in Dortmund in die Zweite Liga. Für den Traditionsverein ist es der vierte Abstieg in fünfzehn Jahren. Große Verlierer sind zwei Veteranen der Bundesliga: Christoph Daum und Heribert Bruchhagen.

Vielleicht hätten auch andere Trainer den freien Fall dieser Mannschaft nicht aufgehalten, angesichts des Verletzungspechs und des schlechten Zustands, in dem Daum sie im März von seinem als nachlässig geltenden Vorgänger Michael Skibbe übernahm. Doch Daum hat es erstens nicht verstanden, der Mannschaft ein passendes Konzept zu vermitteln. Zudem hat er zu passiv gecoacht, etwa gegen Köln. In sieben Spielen ist ihm kein Sieg gelungen.

Zweitens hat Daum zu viel, zu oft und zu laut geredet. Er fabulierte von internationalen Ambitionen, obwohl der Verein auf Rang 14 lag. Er schloss zunächst aus, der Eintracht im Falle des Abstiegs treu zu bleiben. Er hielt sich für zu gut. Inzwischen hat er das revidiert, doch das fatale Signal war in die Welt gesetzt.

Im Fernsehen dozierte er über neurolinguistisches Programmieren. Abgesehen davon, dass Wissenschaftler diese mentale Trainingsmethode als Hokuspokus bezeichnen – Psychologie muss, wenn man Spieler erreichen will, diskret erfolgen, unterschwellig wirken, darf nicht im ZDF-Sportstudio erklärt werden.

In den 80ern und 90ern war Daum vielen Konkurrenten voraus, inzwischen ist er von den Klopps, Tuchels und Dutts fachlich eingeholt und überholt worden. Die hauen außerdem nicht ständig auf die Pauke. Die Häme für Daum, der sich seit Wochen mit den hessischen Medien herumschlägt, hat er sich selbst zuzuschreiben. Vermutlich wird man ihn nicht mehr in der Bundesliga sehen.

Für Bruchhagen muss das nicht gelten, doch auch er hat einen Teil seines guten Rufs verspielt. Der Eintracht, die immer einen Hang zur Extravaganz hatte, brachte er in seinen gut sieben Amtsjahren Seriosität bei, führte sie ins Mittelfeld und -maß. Doch mit der Verpflichtung Daums fiel Bruchhagen zurück in die Frankfurter Epoche des Schillernden.

Zudem offenbart diese Trainerwahl Zweifel an seiner Sachkompetenz. Von Bruchhagen, der so gerne Fußballmanager genannt wird, kennt man nur eine einzige sportliche Idee: Die Bundesligatabelle ist das Spiegelbild der Bankkonten. Ist ja nicht völlig falsch, doch reicht es nicht, Qualität zu kaufen. Qualität kann und muss man fördern.

Besonders fallen Bruchhagens Versäumnisse in dem Jahr auf, in dem die Bundesliga einen Meister kürt, der seiner Geld-schießt-Tore-Lehre widerspricht. Und in dem der ehemalige David von nebenan, in den Europapokal einzieht. Mit reiner Ökonomie sind diese Erfolge nicht zu erklären, in Dortmund und Mainz wird seit Jahren gut trainiert.

Wann erleben die Hessen wieder mal einen Nationalspieler der stolzen Eintracht, wo sind die Nachfolger Grabowskis, Hölzenbeins, Beins und Möllers? Es ist auch Aufgabe eines Managers, Team und Talente zu entwickeln. Bruchhagen muss nun ein Stück seiner Macht abtreten, bekommt wohl einen Sportdirektor zur Seite gestellt. Christoph Daum wird wohl nie wieder sein altes Renommee zurückgewinnen.