Man hört sie schon von weitem. "Mater Ecclesiae!" und wieder: "Mater Ecclesiae!" Knapp 20 südamerikanische Fans sitzen auf einer kleinen Tribüne am Rand des Campo Cardinale Spellmann, einen Kilometer Luftlinie von der Peterskirche in Rom entfernt. Es ist Samstagvormittag, die Tifosi haben Transparente aufgespannt, eines für Pato, den Wunderstürmer. Einige sind in Schwarz gekleidet, ihr Hemd wird von einem weißen Priesterkragen zusammengehalten. Sie brüllen: "Vamos! Vamos!" Und dann wieder alle im Chor: "Mater Ecclesiae! Mater Ecclesiae!"

Den Fans geht es nicht um Maria, die Mutter Gottes, nicht um die "Mutter der Kirche". Es geht ihnen darum, dass einer der Spieler des römischen Priesterkollegs Namens Mater Ecclesiae endlich das Ding reinmacht. Pato, die Nummer Sieben, mit bürgerlichem Namen César Astorga, hat schon zwei große Chancen ausgelassen. Die Gegner, die Mannschaft der Päpstlichen Universität Gregoriana, erweisen sich als harter Brocken.

Gespielt wird das Viertelfinale im Clericus-Cup, der Fußball-Weltmeisterschaft des Vatikans. 16 Mannschaften treten jedes Jahr an, mitspielen dürfen die Mitglieder römischer Priesterkollegien oder Studenten päpstlicher Universitäten. 371 Priester und Seminaristen haben sich für die diesjährige Edition angemeldet, die Spieler stammen aus 50 verschiedenen Ländern, darunter Papua-Neuguinea und Ost-Timor.

Das römische Priesterkolleg Mater Ecclesiae setzt sich vor allem aus Mexikanern zusammen, im Sturm spielen Pato, dahinter zwei Brasilianer und ein quirliger Inder, der schon zum wiederholten Mal vom baumlangen Gregoriana-Verteidiger aus Kroatien von den Beinen geholt wurde. Wie ein Stehaufmännchen rappelt sich der indische Seminarist jedes Mal wieder auf und gibt seinem Schinder freundlich lächelnd die Hand: Fair Play im Vatikan.

Im Jahr 2007 wurde das Turnier auf Anregung des heutigen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone erstmals ausgespielt. Bertone ist Fan von Juventus Turin und kommentierte als Erzbischof von Genua einige Serie-A-Partien im Fernsehen. Der fußballverrückte Kardinal wurde aber schon lang nicht mehr beim Clericus-Cup gesichtet, immerhin kommt zur Siegerehrung ein Bischof.

In der Kurie steht Fußball weit hinten auf der Tagesordnung, vor allem seit der Mozart-Liebhaber Benedikt XVI. im Amt ist. Doch sein gerade erst selig gesprochener Vorgänger Karol Wojtyla war in seiner Jugend Torwart. "Wir haben Johannes Paul II. zu unserem gemeinsamen Kapitän ernannt, weil er ein Beispiel für Glauben und Mut ist und ein wahrer Sportler war", sagte der Präsident des Clericus-Cups, Monsignore Claudio Paganini, vor Beginn des Turniers.