Seit dem 26. Februar, dem Tag des 3:1-Siegs in München, stand der Titelgewinn der Borussia eigentlich fest. Zwar verkürzte Bayer Leverkusen, das eine sehr gute Saison absolvierte, zwischendurch den Abstand etwas, aber richtig spannend wurde es nicht mehr. So dominant und konstant ist lange keine Mannschaft mehr aufgetreten, wenn überhaupt je. Dementsprechend fallen die Gratulationen des Fußballlands aus.

Es ist der Erfolg Jürgen Klopps. Er macht seinen Spielern Beine, und sie folgen seinen Anweisungen. Denn sie wissen, er macht sie groß und stark. Gestern, nach dem Sieg, ließen sie ihn hochleben. Doch er, der locker imstande wäre, eine freie, spontane Rede vor 80.000 Menschen zu halten, hielt sich zurück. Damit, wie er sagte, "seine Jungs" im Vordergrund stehen.

Von Authentizität ist bei Klopp oft die Rede. Es ist ein Modewort, doch trifft es den Punkt. Die Menschen spüren, dass er echt ist, auch seine Spieler tun dies. Er ist ihr Kumpel, doch hat er auch eine enorme Autorität. Er kennt seinen Weg und lässt sich nicht davon abbringen. Wer nicht mitzieht, hat keine Chance.

Auch im Spiel gegen Nürnberg hat er die Mannschaft bis zum Schluss zum Angriff aufgefordert – auch wenn das ganze Stadion schon die Meisterschaft gefeiert hat. Lockerlassen kann er erst nach Abpfiff. Dabei wirkt er oft aggressiv, aber er ist nicht bloß der Motivator. Denn er hat seiner Elf eine Handschrift verpasst, sie taktisch auf Vordermann gebracht. Die Borussia kennt ein Repertoire an Spielzügen, man kann sie fast immer entdecken. Den Gegnern sind bislang wenige Ideen gekommen, sie zu entschlüsseln.

Spannende Fragen stellen sich nun: Was wird der Erfolg aus der Mannschaft machen, wird er einigen zu Kopf steigen? Kann man Nuri Sahin von den Verlockungen Real Madrids fernhalten? Wie verbreitert der Verein seinen Kader, ohne den Teamgeist zu schwächen? Wie schlägt sich die Mannschaft auf internationaler Bühne? Klopp sind Antworten zuzutrauen. So wie es aussieht, erschafft er gerade etwas von Dauer.