Kevin Großkreutz blickte auf die riesige Menge in Schwarz-Gelb und wusste, dass er recht behalten hatte. Der Mittelfeldspieler, der aus dem Dortmunder Norden kommt, wo Borussia Dortmund geboren wurde, rief: "Ich habe immer gesagt, dass hier die Post abgeht, wenn wir Meister werden." Und dann schaute er auf die Unmengen an Fans, die den Wagen nur im Schneckentempo vorwärtskommen ließen, und sagte: "Und, habe ich zu viel versprochen?"

Am Sonntagmorgen um 12.09 Uhr hatte sich der schwarz-gelb geschmückte Festwagen mit den fröhlich übernächtigten Spielern, Trainer Jürgen Klopp und dem Vorstand zum Umzug vom Borsigplatz zur Westfalenhalle in Bewegung gesetzt. 400.000 Menschen säumten die Straßen, um ihren Lieblingen bei der größten Meisterfeier der deutschen Fußballgeschichte zu huldigen. "Ich werde diesen wunderbaren Verein verlassen", sagte der sichtlich gerührte Nuri Sahin, der dem Ruf zu Real Madrid gefolgt ist, "aber diesen Tag werde ich niemals vergessen, ich liebe euch alle". Kevin Großkreutz war ähnlich emotional berührt, er sagte: "Ich sehe in die Augen der Menschen und sehe die Liebe, die uns entgegenschlägt."

An den Häusern prangte ein riesiges Banner mit dem Spruch: "We have a grandios Saison gespielt." Ein Bonmot, das Kapitän Roman Weidenfeller im arabischen Fernsehen von sich gegeben hat , und das in die Schatzkiste der Sprüche der Bundesliga aufgenommen wird. Weidenfeller hat den Spott von Fans und Mitspielern mit Fassung getragen. Auch er war mitten drin in der Feiermeute. Spieler, die es gewohnt sind, von einer Heerschar von Fotografen abgelichtet zu werden, zückten ihre Fotohandys, um das Spektakel festzuhalten. "Unfassbar, was hier abgeht", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Diese Mannschaft hat dieser Stadt ihren Stolz zurückgegeben."

Schon kurz nach Beginn des Festumzugs waren sämtliche Zeitpläne Makulatur. "Macht nichts", sagte Watzke, "wir haben die Schale, wir haben alle Zeit der Welt." Bereits am Samstag war in Dortmund die Post abgegangen. 80.720 Zuschauer waren beim finalen 3:1 gegen Eintracht Frankfurt im ausverkauften Dortmunder Stadion und erlebten mit, wie Kapitän Roman Weidenfeller um 17.41 Uhr die Schale in den Dortmunder Himmel recken durfte.