Es liegt auch an Spielern wie Moussa Sow, dass der französische Fußball wieder einmal einen Skandal erlebt. Keiner schoss in dieser Spielzeit mehr Ligue-1-Tore als er, mit dem OSC Lille verdrängte Sow am vergangenen Wochenende Olympique Marseille von der Tabellenspitze. Sow kann es also, und da der 25-Jährige in Mantes-la-Jolie, einem Industriestädtchen links der Seine geboren wurde und einst mit Frankreich U-19-Europameister wurde, freute sich auch der Nationaltrainer der Franzosen, Laurent Blanc, auf ihn. Bis sich Sow anders entschied. Im August 2010 machte er sein erstes Spiel für den Senegal, das Land seiner Eltern. Für Blanc und Frankreichs Elf wird Sow damit nie wieder spielen können.

Das Problem betrifft auch andere Nationalmannschaften. In Deutschland feilschen der deutsche und vor allem der türkische Fußballverband um die besten Talente mit Migrationshintergrund. Das Gezerre um die Pässe von Jugendspielern verstärkt der Weltverband Fifa durch seine seltsamen Regularien: Ein Wechsel der Nationalteams ist zulässig, solange der Spieler kein Pflichtspiel für die A-Nationalelf absolviert hat.

Die Franzosen mit ihrer multikulturellen Gesellschaft leiden unter dieser Regel besonders. Da müsse man sich mal was überlegen, befanden die Verantwortlichen des französischen Fußballverbandes und kamen auf die denkbar schlechteste Idee: eine Quote.

Bereits am vergangenen Donnerstag meldete die investigativ arbeitende Onlinezeitung Mediapart , der französische Verband wolle in seinen Ausbildungszentren eine Höchstbegrenzung für Spieler nichtfranzösischer Herkunft einführen. Die Anzahl der Fußballer mit Migrationshintergrund solle gesenkt werden, um in der Nationalmannschaft weniger Schwarze und Araber spielen zu lassen. Rassismus pur.

Sofort gab es Empörung und Dementis. Der Präsident des Französischen Fußball-Verbandes, Fernand Duchaussoy, wies die Vorwürfe zunächst ebenso zurück wie der Nationaltrainer Laurent Blanc, der von einer "Lüge" sprach. Am Wochenende aber legte Mediapart nach. Das Portal veröffentlichte das Gesprächsprotokoll einer Verbandssitzung im vergangenen November; mit am Tisch: Laurent Blanc.

Bei dem Treffen ging es um Nachwuchsspieler mit doppelter Staatsbürgerschaft. Ausgangspunkt der Diskussion war die Klage der Verantwortlichen, dass die zentrale Fußballschule des Verbandes in den vergangenen Jahren nur vier französische Nationalspieler hervorgebracht haben soll. 26 Absolventen aber spielten für andere Länder, vor allem für ehemalige Kolonien wie Senegal oder Algerien. "Gehen wir das Problem an und begrenzen bei der Aufnahme die Anzahl der Jungs, die die Nationalität wechseln können?", schlug der Trainer der U 21, Erick Mombaerts laut Protokoll vor. "Ich befürworte das vollkommen", antwortete Nationaltrainer Blanc. Der für die Ausbildung der Spieler zuständige François Blaquart sagt: "Wir können das organisieren, unausgesprochen, mit einer Art Quote."