ZEIT ONLINE: Herr Hansch, braucht der FC Schalke 04 Sie heute Abend? Ob beim Uefa-Pokal-Sieg 1997 in Mailand und auch in diesem Jahr, beim sensationellen 5:2 in der Champions League, auch in Mailand – Sie waren stets bei den größten S04-Spielen dabei.

Werner Hansch: Na ja, die Gurkenspiele, die auch in meiner Anwesenheit absolviert wurden, wollen Sie jetzt wohl nicht erwähnen. Die Liste wäre länger.

ZEIT ONLINE: Was ist eigentlich los im Ruhrgebiet? Schalke und Duisburg sind im Pokalfinale, Dortmund ist Meister, Bochum kann den Aufstieg noch schaffen, selbst das langjährige Sorgenkind Rot-Weiß Essen wird in die Dritte Liga aufsteigen.

Hansch: Das Herz des Fußballs schlägt im Ruhrgebiet, das sagen Politiker in einer solchen Zeit natürlich gerne. Für mich sind das alles wunderschöne kleine Momentaufnahmen. Aber wenn ich mich an das Jahr 1997 erinnere, als zwei Ruhrgebietsvereine innerhalb einer Woche die beiden größten europäischen Trophäen gewannen, ach. So etwas wird es in tausend Jahren nicht mehr geben! Da waren Hunderttausende auf den Straßen. Ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen ist es im Moment auch so.

ZEIT ONLINE: Sehen Sie irgendwelche Parallelen zu 1997?

Hansch: Nein, das sind alles ganz eigene Entwicklungen. Dass die Dortmunder mit dieser jungen Mannschaft so elanvoll durch die Saison rauschen, hätte ich nicht gedacht. Von Schalke habe ich in dieser Saison mindestens drei Gesichter gesehen. In der Bundesliga blieben sie deutlich unter den Erwartungen, in der Champions League und im Pokal war das anders. Man muss aber hinzufügen, dass Felix Magath mit dem eingeleiteten Umbruch noch lange nicht fertig war.

ZEIT ONLINE: Es scheint nicht gepasst zu haben zwischen Felix Magath und Schalke, vor allem emotional?

Hansch: Tja, das ist natürlich die Kernfrage. Es hat irgendetwas nicht gepasst, schon im Ansatz. Spieler sind für Felix Magath kleine Schräubchen und kleine Rädchen. Und der große Inspirator baut diese Teilchen in eine Maschine ein. Dort sollen sie und müssen sie funktionieren, dafür werden sie hoch bezahlt. Spieler, die einen großen Gesprächsbedarf haben, die schickt Felix Magath wieder weg. Dieser egozentrische, vielleicht zu wenig kommunikative Trainertyp kommt von dem, ich sag mal, Zonengrenzverein aus Wolfsburg in diese emotionale Hölle nach Schalke. Er hat von Anfang an gesagt, die Fans können und sollen nicht erwarten, dass er so ist wie sie. Dieser kühle, rationale, professionelle Magath hätte sich mehr der emotionalen Seele des Vereins öffnen müssen.

ZEIT ONLINE: Passt Ralf Rangnick mit seiner Mentalität ins Ruhrgebiet?

Hansch: Ganz sicher. Ralf Rangnick hatte ja schon eine erste ordentliche Zeit auf Schalke. Er ist ein Typ, der das Gespräch sucht und auch pflegt. Dass es damals nicht länger ging, hatte damit zu tun, dass offensichtlich die Chemie zwischen Rangnick und Rudi Assauer von Anfang an nicht stimmte.