Es gibt da dieses Video. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und die anderen schleichen in die leere Kabine der DFB-Frauen und probieren heimlich deren Trikots an . Sie quetschen sich in die engen Shirts, lachen, haben Spaß. Es ist nur ein Werbespot. Kurzzeitig aber vermutet man, die Männer würden wirklich gerne mit den Frauen tauschen. Wenn schon nicht die Trikots, dann zumindest die Sommerplanung. Noch mal eine Weltmeisterschaft spielen und so.

In der Realität sind die Männer erschöpft. Die vergangenen drei Spiele der Nationalmannschaft waren eine Pein. Schön war es nicht, weder gegen Uruguay , noch gegen Österreich , auch nicht gegen Aserbaidschan . Das Tempo, die Passion des vergangenen WM-Sommers war ganz weit weg. Wer will es den Herren verdenken nach dieser langen Saison. Drei schlaffe Siege gab es, die Spieler taten nur das Nötigste. Sicher, die Qualifikationsbilanz ist makellos, ein Rekord. Am Ende war trotzdem jeder froh, dass es vorbei war. Außer vielleicht Mario Gomez.

Fast zeitgleich spielten auch die DFB-Frauen. Auch sie gewannen ihre Testspiele gegen Nordkorea, Italien und die Niederlande. Drei Siege, 12:0 Tore. Viel wichtiger aber: Da kickten keine saturiert-behäbigen Männer, sondern Frauen, die noch etwas vorhaben. Es waren Siege voller Leidenschaft, Spielfreude, guter Laune. Siege, die an die guten Tage der Löw-Elf erinnerten: Kompromissloses Pressing, zügiges Spiel in die Spitze, viele Tore, schöne Tore.

Die Fußballerinnen nervt der ewige Vergleich mit den Männern. Er passiert trotzdem, immer wieder. Kommt etwas Neues, vergleicht man mit dem Alten. Gut zwei Wochen vor dem WM-Start spielen die Frauen den schöneren, reizenderen Fußball. Auch wenn es noch nicht jeder mitbekommen hat.

Es wird wahrscheinlich gar nicht wehtun, sich für ein paar Wochen von den Müllers, Lahms und Özils zu verabschieden. Wenn die alten Helden müde sind, braucht es Frische. In diesem Sommer sind sie weiblich. Die Popps, Kuligs und Bajramajs sind bereit.

Es reicht, meine Herren! Meine Damen, übernehmen Sie! Zumindest für ein paar Wochen. Joachim Löw hat nichts dagegen. Wenn alles passt, werden die Frauen Weltmeister.