Nach einem Becherwurf im Bayernliga-Spiel gegen den FC Ingolstadt 04 II zog das Sportgericht des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) der SpVgg Bayern Hof im Mai zwei Punkte ab und verurteilte den Verein zu einer Strafzahlung von 1.000 Euro. Der Fünftligist war mit dieser Entscheidung einen Spieltag vor Saisonschluss rechnerisch abgestiegen.Der Präsident von Bayern Hof, Reiner Denzler, war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, zog vors Landgericht Hof und gewann. Das Sportgericht nahm den Punktabzug wenige Tage vor dem letzten Spieltag zurück.Weil Bayern Hof sowohl am letzten Spieltag als auch seine Relegationsspiele gewann, blieb der Verein doch in der Liga. Stattdessen stieg die SpVgg Bayreuth ab, die sich nun ebenfalls juristisch wehren will.

Es passiert äußerst selten, dass deutsche Gerichte über Entscheidungen eines Sportverbands urteilen. Es gilt die sogenannte Verbandsautonomie, also die juristische Unabhängigkeit des Sports. Der "Fall Hof" könnte die jetzt infrage stellen. Dazu ein Interview mit dem Präsidenten der SpVgg Bayern Hof, Reiner Denzler.

ZEIT ONLINE: Herr Denzler, wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Urteil eines Sportgerichtes zivilrechtlich anzufechten?

Reiner Denzler: Ich bin Jurist und habe mich mit meinem juristischen Beirat Erwin Hubert schon mehrfach über Sportgerichtsurteile geärgert. Weil teilweise kein rechtliches Gehör gewährt und ziemlich willkürlich agiert wurde. In diesem Fall aber ging es um die Existenz des Vereins, wir hätten Spieler und Sponsoren verloren. Da musste ich etwas unternehmen.

ZEIT ONLINE: Waren Sie sich sicher, dass das Urteil des BFV anfechtbar ist?

Denzler: Es gibt eine relativ klare Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs. Sportgerichtsurteile sind zwar nur eingeschränkt überprüfbar, aber sie sind überprüfbar, weil diese Verbandsgerichte keine Schiedsgerichte im Sinne der Zivilprozessordnung sind. Und ich habe gesehen, dass dieses Urteil aus meiner Sicht zehnfach gegen bestehende Grundsätze verstoßen hat. Von daher war das relativ einfach. Für mich war klar, dass dieses Urteil völlig falsch war, dass es rechtswidrig war und dass der Verband seine eigenen Vorschriften überprüfen muss, weil ich meine, dass es da eklatante Missstände gibt.

ZEIT ONLINE: Was war an dem Urteil Ihrer Meinung nach falsch?

Denzler: Grundsätzlich geht es um die Sanktionen. Der Bundesgerichtshof sagt, Wertungen von Sportgerichten sind nicht überprüfbar, Strafen schon. Diese Strafe muss eine Grundlage im Gesetz oder in der Satzung haben, die Vereine beziehungsweise die Verbände müssen bei der Verhängung die eigene Verfahrensordnung eingehalten haben, die elementaren rechtsstaatlichen Verfahrensregeln müssen eingehalten sein und die Strafe darf nicht offensichtlich unverhältnismäßig, grob unbillig oder gegen den Gleichheitsgrundsatz ausgesprochen worden sein. In unserem Urteil war schon die Tatsachenfeststellung des Sportgerichts falsch. Da sind Dinge als Tatsachen reingeschrieben worden, die sich tatsächlich so nicht ereignet hatten.

ZEIT ONLINE: Was hat das Landgericht dazu gesagt?

Denzler: Das Landgericht hat das in einem ersten Schritt aufgenommen und gesagt: Ein Urteil das auf falsch ermittelten Tatsachen beruht, das ist fehlerhaft und aufzuheben. Mit den anderen Dingen hat sich das Landgericht dann gar nicht mehr beschäftigt, obwohl es noch viele andere Verstöße gab.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Denzler: Wir wurden immer auf Paragraph 20 der Spielordnung hingewiesen, dass auf einem Fußballplatz der gastgebende Verein für Ruhe und Ordnung zu sorgen hat. Aber wie wollen sie das auf einem Fußballfeld machen? Ich habe immer etwas flapsig gesagt, das hat man aus der Friedhofsordnung abgeschrieben. Ruhe ist beim Fußball gar nicht gewünscht, über Ordnung kann man ja diskutieren. Aber: Es fehlen die Festlegungen, die Strafen sind willkürlich. Ich habe dem Verband angeboten, uns mal zusammen hinzusetzen und das alles durchzuschauen.

ZEIT ONLINE: Was sagt der Verband zu Ihrem Angebot?

Denzler: Der Präsident, Rainer Koch, sieht das natürlich anders. Wenn das Ganze über die einstweilige Verfügung hinaus ins Hauptsacheverfahren gegangen wäre, hätten sich die ordentlichen Gerichte mit all diesen Sachen beschäftigen müssen. Und ich glaube, da wäre es eng geworden.