Wer Alexandra Popp gegenübersteht, muss den Werbemenschen Recht geben. Wie sie nach dem Spiel gegen Kanada im Bauch des Berliner Olympiastadions stand, durch ihre Lausbuben-Zahnlücke lächelte und sorglos über sich und ihren Sport plauderte, ließ erkennen: Alexandra Popp ist eine Frau zum Fußbälle stehlen. Ein paar Minuten vorher stand Inka Grings, 32 Jahre alt, an selber Stelle. Auch sie redete über sich und ihr Spiel. Sie lächelte weniger. Mit ihr tun sich die Werbeleute schwerer wegen eines knackigen Slogans.

Im deutschen Sturm bahnt sich ein Generationenkonflikt an. Die lockeren Jungen, Alex Popp und Celia Okoyino da Mbabi, gegen die etwas verspannten Alten, Inka Grings und Birgit Prinz. Dabei geht es nicht nur um Oberflächlichkeiten wie öffentliches Auftreten und Werbesprüche – damit konnten die Alten noch nie etwas anfangen. Es geht ums Sportliche.

Als die Bundestrainerin Silvia Neid im März ihren vorläufigen WM-Kader ausrief, schienen Inka Grings und Birgit Prinz ebenso sicher zur Startelf zu gehören wie kurze Hosen und die Kapitänsbinde. Wer an Birgit Prinz zweifelte, der achtmaligen deutschen Fußballerin des Jahres, galt sowieso als Blasphemist. Grings erzielte im März im Sportzentrum Oberaue zu Jena ihren 353. Bundesliga-Treffer. Auf einer gemischtgeschlechtlichen ewigen Torjägertabelle läge sie damit auf Platz zwei, zwölf Tore hinter Gerd Müller.

Für Grings und Prinz sollte die WM der Höhepunkt ihrer Karriere werden. Danach erst sollten die Jüngeren ran. Der Umbruch aber scheint sich nun schneller zu vollziehen. Schneller, als es den Etablierten lieb sein kann. Inka Grings hat ihren Stammplatz verloren, nach ihrer Einwechslung gegen Norwegen tat sie wenig, um ihn wiederzufinden. Und Birgit Prinz wird so demonstrativ der Rücken gestärkt, dass sie sich allein deshalb in Acht nehmen sollte.

Sie könne wieder eine "gewohnt wichtige Rolle" spielen, sagte die Teammanagerin Doris Fitschen über Birgit Prinz. Schließlich sei sie eine Turnierspielerin und habe das 1:0 gegen Kanada mit einem schönen Pass in die Tiefe eingeleitet. Birgit Prinz, die dreifache Weltfußballerin, muss derzeit vor allem für eine Vorlage zur Vorlage gelobt werden.