Was es heißt, als junge, talentierte Spielerin zum Sex aufgefordert zu werden, hat eine Spielerin häufig erlebt, die ihren richtigen Namen nicht nennen will. Die Forderung nach Sex scheint im männerdominierten Nigeria eine Selbstverständlichkeit. "Natürlich wollten die Männer das", sagt sie. Nachgegeben hätte sie dem Wunsch aber nie, betont die junge Frau. "Du musst einfach gut spielen, damit sie dich aufstellen."

Eine Taktik, die nur selten aufgeht. Hans Krämer erinnert sich an eine begabte Nigerianerin: Aus ihrem ersten Club ist sie geflogen, weil sie sich geweigert hatte, mit dem Trainer zu schlafen. Im neuen Team hatte sie ebenfalls kein Glück. Sie gefiel einem Clubfunktionär. Weil sie Sex mit ihm ablehnte, wurde sie wieder rausgeschmissen. "Es war das Ende ihrer Karriere", sagt Krämer. Offiziell hieß es: Das Mädchen sei zu stur und dickköpfig.

Verständnis für ihr Verhalten werden wohl die wenigsten gehabt haben – nicht einmal die eigene Familie. War der Frauenfußball noch vor wenigen Jahren verpönt, wird er nun als Einnahmequelle entdeckt. Gerade für junge Frauen gilt er als gute Möglichkeit, sich nach oben zu kicken. Die Gehälter liegen zwar anfangs höchstens zwischen 15.000 bis 30.000 Naira – umgerechnet 75 bis 150 Euro. Trotzdem können die Spielerinnen sich selbst und sogar ihre Familien damit ernähren. Obwohl Nigeria Ölexporteur ist, leben bis zu 70 Prozent der rund 150 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Die meisten Fußballerinnen stammen aus genau diesen Familien.

Der Frauenfußball ist nicht der einzige Bereich der Gesellschaft ist, in dem Sex als inoffizielle Währung gilt. An Schulen und Universitäten verlangen Dozenten gerne Gegenleistungen für bestandene Prüfungen. Im Berufsleben ist es nicht anders. "Nigeria ist ein Männerland, in dem die Armen und Schwachen mit Sex bezahlen", sagt Hans Krämer.

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