Nach einer halben Stunde kommt sie doch noch. Grünes Shirt, grüne Trainingshose, miese Laune. Eigentlich hatten wir einen Gesprächstermin. "Worüber wollen Sie reden", fragt Ngozi Uche, die Trainerin der nigerianischen Frauenfußballelf. Sie ist 38 Jahre alt, ehemalige Nationalspielerin und Mutter zweier Kinder. Kein Hallo, keine Vorstellung. Sie steht in der Lobby des Frankfurter Teamhotels. Es sieht so aus, als würde sie am liebsten zurück zu den Fahrstühlen.

ZEIT ONLINE: Frau Uche, im November haben Sie ein Testspiel 0:8 gegen Deutschland verloren. Warum wird das morgen nicht wieder passieren?

Ngozi Uche: Fußball ist immer unterschiedlich. Ich kann heute verlieren und morgen gewinnen.

ZEIT ONLINE: Sie sind die erste Cheftrainerin Nigerias. Was bedeutet das für Sie und den nigerianischen Frauenfußball?

Uche: Ich fühle mich geehrt. Es ist ein großes Privileg, die Fußballfrauen zu führen. Jeder akzeptiert mich und unterstützt mich, so gut er kann.

ZEIT ONLINE: Frau Uche, es gibt seltsame Zitate von Ihnen, in denen es um Homosexualität geht ...

Uche: Ich glaube nicht, dass das ein Thema ist. Jemand hat mich da falsch zitiert. Ich persönlich weiß nicht, worüber die Leute reden.

ZEIT ONLINE: Haben sie wirklich gesagt, dass Homosexualität 'dreckig' und 'falsch' ist?

Uche: Nein, das habe ich nicht. Und für mich ist das im Augenblick nicht wichtig. Ich rede nur über Sachen, die mit der WM zu tun haben.

Glaubt man derNew York Times, hat Ngozi Uche Homosexualität als "schmutzige Angelegenheit" und als "moralisch verwerflich" bezeichnet. Sie habe sogar einen Priester für das Team bestellt, der mit den Spielerinnen beten sollte. "Wir brauchen göttliche Intervention, um Homosexualität zu kontrollieren und einzuschränken. Bei uns hat es funktioniert", wird sie zitiert.

In einem weiteren Artikelder nigerianischen The Sun News Onlinevom März 2011 äußerte sich Uche ähnlich. "Die Spielerinnen wissen, dass ich so eine eklige Angelegenheit nicht tolerieren kann", sagte sie bei einem Fußballseminar. "Seit ich als Cheftrainerin übernommen habe, wurde sich um das Problem gekümmert ... Wir haben jetzt ein paar Spielerinnen, die hungrig nach Göttlichem sind, sie engagieren sich mehr für die Spiele. Sie wissen, dass Fußball ihnen Ruhm, Vermögen und Glück bringen kann – ganz anders als die Homosexualität, die sie ruinieren kann." Ein ehemaliger technischer Assistent des nigerianischen Fußballverbandes bestätigte in diesem Bericht sogar, dass einige Spielerinnen wegen ihrer sexuellen Orientierung bereits aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden seien.

ZEIT ONLINE: Befürchten Sie, dass die Fifa Sie für die vermeintlichen Aussagen rügen wird?

Uche: Wie gesagt: Ich weiß nicht genau, über was die Leute da reden. Und dieses Thema ist keines, über das ich weiter sprechen möchte.

Ngozi Uche schaut jetzt böse. Nach sieben Minuten ist das Gespräch beendet. Ngozi Uche steht auf und trottet zu den Fahrstühlen. Keine Verabschiedung.

Wahrscheinlich hat sie schon vor dem Interview-Termin am Mittwochabend von der Fifa gehört. Denn nach einigem Zögern schritt der Fußballweltverband  im Laufe des Mittwochs ein. "Die Fifa ist gegen jede Form von Diskriminierung", sagte die Verantwortliche für Frauenfußball, Tatjana Haenni. "In diesem Sinne werden wir auch versuchen, mit der nigerianischen Trainerin zu sprechen."

Alle Berichte zur Frauenfußball-WM