Gruppe C

Nordkorea

Warum freuen sich die Nordkoreaner auf das Turnier in Deutschland?

Nordkorea gehört im Frauenfußball zur erweiterten Weltspitze. Das Team rangiert derzeit auf Platz acht der Weltrangliste und hofft auf einen Überraschungserfolg. Dass die Frauen hoch motiviert sind, konnte man schon beim Freundschaftsspiel gegen Deutschland sehen. 

Warum spielen die Frauen aus Nordkorea besser als die Männer?

Die Frauen sind in Asien absolute Spitze und haben bereits dreimal die Asienmeisterschaft gewonnen. In Nordkorea gibt es seit den achtziger Jahren organisierten Frauenfußball. Das sozialistische Gesellschafts- und Frauenbild machte es leichter, die Sportart für Frauen zu etablieren.

Können die Spielerinnen von ihrem Sport leben?

Der Staat versorgt die Spielerinnen mit allem, was sie brauchen. Sie bekommen eine Wohnung, Lebensmittel, Ausrüstung und auch ein kleines Gehalt. Wer es in Nordkorea im Spitzensport zu etwas bringt, genießt eine privilegierte Stellung. Nach der aktiven Karriere bekommen die Spielerinnen eine Anstellung vermittelt oder werden vom Fußballverband beschäftigt. Die ehemalige Nationaltorhüterin Ri Jong Hi ist heute Torwarttrainerin.

Ist Homosexualität im Frauenfußball in Nordkorea ein ähnliches öffentliches Tabu wie in Deutschland?

Homosexualität ist in Nordkorea generell ein absolutes Tabu. Eine Abweichung vom Menschenbild der gleichgeschalteten revolutionären Massen wird nicht geduldet. Das schließt die sexuelle Orientierung mit ein. Zwar gibt es keine Gesetze gegen Homosexualität. Es ist auch nicht bekannt, welche Sanktionen zu befürchten sind. Das Thema kommt schlichtweg nicht vor.

Ganz ehrlich: Wie viele Nordkoreaner wissen, dass bald eine Fußball-WM stattfindet?

Die Welcome Tour von Steffi Jones und dem DFB hat in Nordkorea für höchste Aufmerksamkeit gesorgt. Der Besuch Anfang April in Pjöngjang wurde von einer politischen Delegation um Claudia Roth begleitet. Solche Besuche westlicher Prominenz sind in Nordkorea sehr selten, daher haben alle Medien ausführlich berichtet. Weil es nur staatliche Monopolmedien gibt, haben wahrscheinlich die meisten der 27 Millionen Einwohner Nordkoreas davon Notiz genommen. Zur WM werden die Menschen mindestens die Spiele der Nordkoreanerinnen verfolgen. Der Grund ist einfach: Es gibt nur ein Fernsehprogramm.  

Warum hätte Nordkorea den WM-Titel verdient?

In unserem Bewusstsein ist Nordkorea ein Schurkenstaat mit einem verrückten Diktator an der Spitze, der ein bedrohliches Atomwaffenprogramm betreibt. Fußball-Länderspiele werden propagandistisch zu Vergeltungsschlachten vergangener Kriege hochstilisiert. Insofern gibt es sicher kaum jemanden, der Nordkorea den Titel gönnen würde. Andererseits lieben die Fußball-Frauen aus Nordkorea ihren Sport genauso wie alle anderen Spielerinnen. Für Frauen bietet der Sport die Möglichkeit, ein kleines Stückchen Freiheit zu erleben im ansonsten vollständig reglementierten Alltag. Der WM-Titel wäre für sie persönlich der Lohn für ihre Entbehrungen.