In Montevideo machten sie noch bis kurz vor dem Anpfiff Überstunden: Eine Fabrik, die Flaggen produziert, schaffte die Arbeit nicht. Die Nachfrage nach Fahnen in blau-weiß mit der strahlenden Sonne Uruguays überstieg die Kapazitäten der kleinen Firma in der Hauptstadt des neuen Südamerika-Meisters. Die 43. Copa América in Argentinien stand ganz im Zeichen des bevölkerungsärmsten aller zehn südamerikanischen Fußballverbände. "Uruguay ist der neue König Amerikas", titelte die größte argentinische Tageszeitung Clarin . Und streute damit Salz in die Wunde der eigenen Leser.

Es sollte eine Copa der guten Laune werden, des argentinischen Triumphzuges. Das Turnier sollte einen Vorgeschmack auf die anvisierte gemeinsame WM-Bewerbung 2030 des Gastgebers mit dem Nachbarland Uruguay werden. Am Ende war das älteste Nationenturnier der Welt, das am Sonntagabend mit einem verdienten 3:0-Sieg Uruguays zu Ende ging, sportlich und organisatorisch für den Gastgeber Argentinien ein Debakel.

"Argentinien wir sehen dich nicht, wo bist du?", sangen die Fans aus Uruguay und Paraguay beim Finale in Anspielung an das Viertelfinal-Aus der Hausherren. Ein Journalist aus Uruguay schrieb: "Das ist eine Copa América der dritten Welt."

Es klappte nicht viel bei dieser Copa América. Besonders der Ticketverkauf war undurchsichtig. Die Halbfinalspiele und das Finale wurden als ausverkauft gemeldet, als der Gastgeber noch im Rennen war. Nach dem Aus der Argentinier waren jedoch plötzlich wieder Tausende Karten im Umlauf. Während des Finales spielten sich dann bizarre Szenen im Stadion ab: Wer für umgerechnet 60 oder 70 Euro ein Sitzplatz-Ticket gekauft hatte, musste trotzdem um seinen Platz im Estadio Monumental kämpfen und sah sich in Beschlag genommen Sitzplatzschalen gegenüber. Weinende Kinder und verzweifelte Familienväter aus Uruguay, die ihr Erspartes geopfert hatten, um das Finale auf der anderen Seite des Rio de la Plata zu sehen, mussten sich irgendwo ein Plätzchen auf den Treppen suchen, weil die Sicherheitskräfte und Ordner sich selbst die besten Plätze gesichert hatten.

Im modernen Stadion von La Plata, rund eine Autostunde von Buenos Aires entfernt, lief es während der übrigen Spiele etwas besser. Dort gab es Anweiser, die die Zuschauer zu ihren Plätzen führten. Allerdings blieben diese Herren so lange vor der Nase der Kundschaft stehen, bis es ein ordentliches Trinkgeld gab.