Das Finale der WM 2011 war mit den zwei besten Teams des Turniers tolle Werbung für den Frauenfußball. Auf der einen Seite die USA, eine Ansammlung von starken Individualisten wie Abby Wambach, Megan Rapinoe, Ali Krieger, Lauren Cheney oder Alex Morgan. Auf der anderen Seite Japan, eine technisch beschlagene Mannschaft, die eingespielt ist und den Ball zirkulieren lässt. Beide Teams zeichnet Teamgeist aus, beide geben nie auf. Das sehr gute, temporeiche und hochdramatische Endspiel war der Höhepunkt der WM, auch wenn die bessere Mannschaft verloren hat.

Das Finale macht allerdings nicht vergessen, dass die WM aus sportlicher Sicht viele Anhänger des Frauenfußballs mit gemischten Eindrücken zurück lässt. In vielen Spielen sah man Mängel bei der Ballan- und -mitnahme, falsches Timing bei springenden Bällen, häufige Fehlpässe, besonders beim Versuch, direkt zu spielen. Im Halbfinale brachte beispielsweise die schwedische Abwehr fast keinen offensiven Pass an die Frau.

Auch wenn viele Kopfballtreffer fielen, die Bogenspannung, wie es die Fußballfibel vorsieht, wurde offenbar zu wenig trainiert. Viele Schüsse litten an Streubreite oder den Schützinnen fehlte es schlicht an Kraft. Ausnahmen: die wuchtigen Distanztore der Mexikanerin Ocampo und der Amerikanerin Heather O'Reilly. Den größten Nachholbedarf haben die Torfrauen. Außer der Japanerin Ayumi Kajori können die wenigsten Flanken pflücken, und selbst Spitzen-Torhüterinnen wie Hope Solo versuchen manchmal, Schüsse in die Ecke zu erlaufen, oft sogar Elfmeter.

Die moderne Raumdeckung beherrschen fast alle

Die Besten dieser WM waren bekannte Namen. An der Spitze die 32-jährige Homare Sawa, gleichzeitig Regisseurin, Torjägerin und Dauerläuferin des japanischen Teams. Mit ihrem Traumpass hebelte sie die deutsche Abwehr aus, im Finale schoss sie den Ausgleich. Marta aus Brasilien bewies erneut, wie gut der Ball ihrem linken Fuß gehorcht, aber auch, welche Diva sie ist. Abby Wambach, 31, Leaderin im US-Team, zeigte Weltklasse beim Kopfballspiel, offenbarte aber große Mängel im Kombinationsspiel.

Eine junge deutsche Spielerin ist bei der WM nicht groß herausgekommen. Lira Bajramaj hätte das Zeug dazu gehabt,mit ihrer Bewegungsvielfalt, ihrer Ballbehandlung und ihrem Mut, mit Tempodribblings Abwehrreihen aufzureißen. Daran erkennt man die Straßenfußballerin. Doch sie konnte und durfte ihre Anlagen nicht zeigen.

Genoveva Anonma , die trickreiche und wendige Stürmerin aus Äquatorialguinea, spielte im falschen Team. Für viele ihrer Mitspielerinnen war die WM eine Stufe zu hoch. Etwa für Bruna, die die mehrfache Weltfußballerin Marta auch dann hauteng deckte, als diese an der Außenlinie mit ihrem Trainer sprach. Im Spiel zuvor fing sie schulmädchenhaft den Ball und hielt ihn zwei Sekunden lang – ein unter Fußballern abtrainierter Reflex und ein Tiefpunkt des Turniers .

Die moderne Raumdeckung beherrschen fast alle Mannschaften: Viererkette, Räume verengen, zum Ball verschieben, kurze Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld sowie zwischen Mittelfeld und Sturm. Beim Spiel mit dem Ball offenbaren die Mannschaften jedoch insgesamt Schwächen, etwa bei der Spieleröffnung aus der Abwehr, beim Freilaufen oder bei Überzahlangriffen.