Was folgt aus dem frühen WM-Aus für die Nationalmannschaft?

Die durch das Viertelfinal-Aus verpasste Olympia-Teilnahme ist eine sportliche Katastrophe: Noch nie hat eine DFB-Elf ein olympisches Fußballturnier versäumt. Noch nie konnte sie olympisches Gold holen. Daran wird sich erst einmal nichts ändern. Dazu kommt, dass einigen der älteren Leistungsträgerinnen wie Inka Grings (32 Jahre) und Kerstin Garefrekes (31) ohne Olympia ein wichtiger Anreiz zum Weitermachen fehlt. Ob sie bei der EM 2013 antreten, ist nicht klar.Den zweiten Platz auf der Fifa-Weltrangliste konnten die DFB-Frauen dennoch verteidigen.

Dass wegen des verpassten WM-Titels weniger Mädchen und Frauen Fußball spielen werden, ist nicht zu erwarten.  Nach einer aktuellen Studie sind die vom DFB propagierten 1,05 Millionen fußballspielenden Frauen zwar deutlich zu hoch. Das ändert aber nichts daran, dass Frauenfußball mit 600.000 Aktiven die beliebteste Frauenmannschaftssportart in Deutschland ist.

Die Einzige, die der versäumten Olympiateilnahme übrigens etwas Positives abgewinnen dürfte, ist Bundestrainerin Silvia Neid. Sie hat nun mehr als eineinhalb Jahre Zeit, um die Nationalmannschaft auf die EM vorzubereiten. Das ist viel länger als die WM-Vorbereitung, die mit mehr als zwei Monaten schon als episch galt.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hat das WM-Aus?

Aus Sicht des DFB war die WM ein großer Erfolg. Das Turnier hat einen Gewinn von 10,6 Millionen Euro eingefahren, nach Steuerabzügen bleiben dem Verband 7,6 Millionen Euro. Das erklärte Ziel vor der WM, keine roten Zahlen zu schreiben, ist damit mehr als erreicht. "Dass zu den Spielen, auch zu denen ohne deutsche Beteiligung, am Ende mehr Zuschauer in die Stadien strömten als wir erwartet hätten, ist einer der Hauptgründe für den großartigen wirtschaftlichen Erfolg", sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Fünf Millionen Euro von den Einnahmen sollen in den Mädchen- und Frauenfußball fließen. Die am 1. September neu gegründete DFB-Direktion Frauenfußball unter der Leitung von Steffi Jones soll das Geld in "geeignete Projekte" investieren.

Die Spielerinnen können jede Zuwendung gebrauchen. Sie haben die große Chance verstreichen lassen, sich für neue Werbepartner interessant zu machen. Z war haben die Rekord-Quoten bei der WM die DFB-Sponsoren begeistert – allein 17 Millionen Zuschauer verfolgten die Partie der Deutschen Elf gegen Japan. Allerdings steht das nächste Großereignis nach der gescheiterten Olympiaqualifikation nun erst 2013 bei der EM in Schweden an. Event-Alternativen sind rar. Die Bundesliga oder der Europapokal sind noch zu unpopulär für Sponsoren und Fernsehen . Wenig Publicity ist schlecht für den Widererkennungswert der Spielerinnen.

Wird die Frauenfußballbundesliga nach dem WM-Hype attraktiver?

Die Bundesliga zählt neben der schwedischen Damallsvenskan und der US-Women’s Professional Soccer League zu den besten Spielklassen der Welt. In Deutschland spielen WM-Stars wie Äquatorialguineas GenovevaAñonma, Schwedens Antonia Göransson sowie die Weltmeisterinnen Yuki Nagasato (alle Turbine Potsdam) und Kozue Ando (FCR Duisburg). Vielleicht bald auch US-Torhüterin Hope Solo,die einen Wechsel in die Bundesliga nicht ausschließt.

Es ist gut möglich, dass zu den ersten Saisonspielen mehr als die sonst üblichen 800 Zuschauer kommen. Der Hessische Rundfunk erwägt, das Eröffnungsspiel am 21. August zwischen FFC Frankfurt und SG Essen-Schönebeck live im Fernsehen zu übertragen. Dass ein Bundesligaspiel 15.000 Zuschauer anzieht, wie die Begegnung zwischen den US-Clubs Western New York Flash und Magic Jack Ende Juli, ist aber nicht abzusehen. Nötig dafür wäre eine größere Medienpräsenz, die wiederum Investoren und Zuschauer anlocken würde.

Der Bundesliga fehlen auch die Strukturen, um den Frauenfußball massentauglich zu machen. Die Trainings- und Spielorte sind mitunter in schlechtem Zustand. Selbst der 1. FFC Frankfurt, der professionellste Klub in Deutschland, hat keine Flutlichtmasten in seinem Stadion. Hier ist auch der DFB gefragt, der sich bislang zu sehr auf die Nationalmannschaft konzentriert und den Vereinsfußball vernachlässigt.