Cadel Evans hat als erster Australier die Tour de France gewonnen und damit den Spanier Alberto Contador abgelöst. Der Weltmeister von 2009 bewies bei seinem Weg zum Tour-Sieg langen Atem. Schon 2007 und 2008 stand er auf Platz zwei und damit kurz vor dem Triumph – jetzt klappte es endlich bei dem 34-Jährigen. "Meine Tour verlief vom ersten bis zum letzten Tag konsequent ausgerichtet auf ein Ziel", sagte Evans. 



Zum Abschluss der Tour über 3430 Kilometer triumphierte Evans auf den Pariser Champs-Elysées mit souveränen 1:34 Minuten Vorsprung auf Andy Schleck (Luxemburg), der sein Gelbes Trikot nach dem Zeitfahren vom Samstag hatte abgeben müssen. Dass er mit Frank Schleck (+ 2:30 Minuten) das erste Brüderpaar auf dem Siegerpodest der Tour bildete, konnte ihn kaum trösten. Im dritten Jahr in Folge kam der 26-Jährige nicht über Rang zwei hinaus. 



Gelb für Evans, Grün für Mark Cavendish: Der Brite, der wie im Vorjahr zum Tour-Abschluss den prestigeträchtigen Tagessieg nach nur 95 Kilometern in Paris feierte, sicherte sich zum ersten Mal den Sieg in der Punktwertung. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Norwegen vor Beginn der letzten Etappe hatte Cavendish im Ziel den fünften diesjährigen Etappensieg und seinen insgesamt 20. Tageserfolg perfekt gemacht. Im Finish vor Hunderttausenden Zuschauern besiegte er den Norweger Edvald Boasson Hagen und André Greipel aus Rostock. Ein letztes Mal hatte sich für ihn auch sein Teamkollege Tony Martin ins Zeug gelegt.



Der Wahlschweizer hatte seine Tour am Samstag mit einem grandiosen Zeitfahrsieg in 55:33 Minuten über 42,5 Kilometer in Grenoble gerettet. Sein erster Etappenerfolg war für den 26-Jährigen eine Entschädigung für sein verfehltes Ziel von einer Top-Ten-Platzierung. Schon auf der ersten Pyrenäen-Etappe war Martin nicht mehr mitgekommen. Am Ende landete er als bester der zwölf deutschen Tour-Starter auf Rang 44 (+1:30:20 Stunden).

Für den ersten Etappensieg eines deutschen Radprofis bei der diesjährigen Tour, die bisher lediglich durch den Dopingfall des Russen Alexander Kolobnew zum Auftakt etwas aus dem Takt geraten war, hatte André Greipel gesorgt. Besondere Genugtuung für den Sprinter aus Rostock bei seinem Sieg in Carmaux brachte ihm ein Blick auf die Plätze hinter ihm. Er hatte bei seiner Tour-Premiere ausgerechnet Cavendish den Weg zum Sieg versperrt.


Die Tour, die in den ersten 14 Tagen von einer Sturzserie geprägt war, der viele Favoriten zum Opfer fielen, wurde erst im letzten Zeitfahren entschieden. Evans gewann gegen Andy Schleck mit einem Vorsprung von 2:31 Minuten. 

In den Pyrenäen und Alpen hatte sich der jüngere der Schleck-Brüder einen Vorsprung von 57 Sekunden erarbeitet. Aber Evans war nicht abzuschütteln. Ausgerechnet im Hochgebirge musste der dreifache Tour-Sieger Contador nachgeben. Von frühen Stürzen gesundheitlich und im Klassement zurückgeworfen, konnte er nicht wie erwartet zurückschlagen. In Paris musste sich der Spanier, dem eine Dopingsperre droht, mit Rang fünf zufrieden geben.