Als der letzte japanische Elfmeter geschossen war, und alle Spielerinnen auf die Schützin Saki Kumagai zustürzten, tat ihr Trainer so, als würde ihn das gar nichts angehen. Wie das manngewordene Vorurteil, dass Japaner ungern Gefühle zeigen, stand er an der Seitenlinie und schaute zu. Dann trabte er zum Schiedsrichtergespann, gratulierte zur ordentlichen Partie, fing an, sich zu freuen. Und fand Gefallen daran.

Sasaki verbrachte eine halbe Stunde damit, den WM-Pokal in die Höhe zu recken, das Feuerwerk zu beobachteten und sich von goldenen Konfettischnipseln beregnen zu lassen. Er sagte gar: "Ich gönne mir heute Abend ein gutes Glas deutsches Bier!"

Japan, die USA, der Frauenfußball. Nach diesem WM-Finale ist nichts mehr, wie es vorher war. Was die beiden Mannschaften da auf dem Frankfurter Finalrasen zeigten , war der krönende Abschluss dieses Turniers. Ein Spiel wie aus einem perfekten Imagespot für den Frauenfußball. Ein Spiel voller Wendungen, Dramatik, schöner Tore und neuer Heldinnen. Die größte an diesem Abend war Homare Sawa.

Die 32-jährige japanische Mittelfeldspielerin wird die zwölf Stunden lange Heimreise mit etwas Übergewicht antreten müssen. Sawa durfte sich an diesem Sonntagabend gleich vier Pokale in die Reisetasche stopfen.

Kaum hatte die Japanerin eine Trophäe in Empfang genommen, wurde sie schon wieder auf die große, rote Bühne gerufen, zu Steffi Jones, Sepp Blatter, Christian Wulff und anderen wichtigen Menschen. Sie bekam den Fair-Play-Pokal, den Goldenen Schuh für die beste Torschützin des Turniers, den Goldenen Ball für die beste Spielerin des Turniers und als Kapitän ihrer Mannschaft hatte sie das Zugriffsrecht auf den WM-Pokal.

Auf dieser Bühne geschah etwas, was Homare Sawa auf dem Spielfeld nur selten passiert: Sie sah etwas verloren aus. Die Japanerin wusste nicht so recht wohin mit sich und ihren vielen Trophäen. "Das ging alles sehr schnell, ich weiß noch gar nicht, ob das jetzt hier alles Realität ist oder nicht", sagte sie später.

Zu Sawas Verwirrung trugen auch die unzähligen Journalisten bei, die sich nach dem Spiel in den Katakomben des Frankfurter WM-Stadions um sie drängten. Der Ansturm war so groß, dass sich ein paar kräftige Fifa-Freiwillige zwischen den WM-Star und die Reporter-Meute drücken mussten.

"Es war eine lange Reise", sagte sie und erzählte, wie sie mit 12 Jahren in der japanischen Frauenliga debütierte, wie sie 1993, mit 15 Jahren, ihr erstes Länderspiel machte, und wie es bis jetzt gedauert hat, beste Fußballerin der Welt zu werden. "Weil ich auch die schwierigen Zeiten kenne, fühle ich mich jetzt besonders glücklich", sagte Sawa.

Es ist die Mischung aus Beharrlichkeit und Demut, die Japan zum Weltmeister gemacht hat. Streng genommen waren am Sonntagabend nämlich die Amerikanerinnen die bessere Mannschaft.