Die Ming-Dynastie in China war schon 350 Jahre untergegangen, da riefen Amerikas Sportjournalisten im Jahre 2002 eine Fortsetzung aus. Der 2,29 Meter große Yao Ming sollte herrschen – nicht im Fernen Osten, sondern in Washington, New York und all den anderen Spielorten der Basketballliga NBA. Yaos durchschnittlich knapp 40 Punkte und 20 Rebounds in der heimischen Liga ließen die Teambesitzer träumen. Genau wie die Aussicht auf einen Basketball-Markt mit mehr als einer Milliarde möglicher Neukunden.

Am Mittwoch trat Yao Ming zurück. Der 30-Jährige musste den Kampf gegen seinen geschundenen Körper aufgeben. Yao Ming hat viel geleistet für die Völkerverständigung und Geldströme zwischen den USA und China. Sportlich aber blieb er unter seinen Möglichkeiten.

Yao Ming war im Wortsinn ein Produkt der Kommunistischen Partei Chinas . Die Gene der besten Athleten des Landes sollten dem chinesischen Sport dienen. So war es kein Zufall, dass Yao Ming 2,29 Meter groß wurde. Für die besten Basketballer ihres Landes, für "Big Yao" und "Big Fang", endete der Dienst am Vaterland nicht mit dem eigenen Karriereende. Erst die Geburt ihres Sohnes in Shanghais Krankenhaus Nummer sechs befriedigte die Kader – gut fünf Kilo schwer, fast 59 Zentimeter groß. Jeder sechste Amerikaner, der größer als 2,13 Meter ist, spielt in der NBA. " You can‘t teach height ", lautet ein geflügeltes Wort, Körpergröße kann man niemandem beibringen. In China schon.

In China kann man auch Achtjährige sechs Mal pro Woche trainieren lassen. Die endlosen monotonen Drills, die Yao durchlaufen musste, hatten nichts gemeinsam mit dem Spiel der Show-Truppe Harlem Globetrotters, die er wenig später sah. Doch Widerstand war zwecklos, zumal seine Eltern mit Sanktionen zu rechnen gehabt hätten. So zog Yao mit 13 Jahren in ein Sportinternat. Acht Jahre lang dauerte seine Verwandlung in den perfekten Basketballer: Dann hatte er ein überragendes Ballgefühl, seine Hakenwürfe waren unblockbar. Yao Ming war reif für die NBA. Aufzeichnungen seiner Spiele hätten "Yeti-Qualität" gehabt, erinnern sich US-Sportjournalisten. So rar, so mysteriös, so verheißungsvoll.

2002 bei den alljährlichen Drafts wurde Yao Ming als begehrtester Spieler von den Houston Rockets ausgewählt. Als erster Spieler überhaupt, der sich zuvor an keinem College und in keiner Highschool in Nordamerika bewiesen hatte. " Houston, I am come ", radebrechte der Schlaks via Satellit nach Texas. Bei der Auszeichnung zum Neuling des Jahres nach seiner ersten NBA-Saison wird er nur Zweiter, setzt aber ein anderes Zeichen. In den ersten zwei Minuten des direkten Duells gegen Shaquille O‘Neal vom Serien-Meister Los Angeles Lakers trifft er zwei seiner ersten drei Würfe und blockt beide Versuche des Gegners. Der hatte sich noch vor dem Anpfiff zu einer "Kampfansage" in Fake-Chinesisch hinreißen lassen. Als Yao das Spiel kurz vor dem Schluss mit einem beidhändigen Dunk entscheidet, steht O‘Neal daneben. Nun klang die Prophezeiung des Besitzers der Houston Rockets nicht mehr komplett lächerlich: "In zwei oder drei Jahren wird er größer sein als Michael Jordan!"