Wenige Tage vor dem Beginn der Leichtathletik-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Daegu hat der Hauptverantwortliche des bislang größten Doping-Skandals in der US-Sportgeschichte Vorwürfe gegen den schnellsten Mann der Welt , Usain Bolt, erhoben. Victor Conte, der bereits die Sprint-Stars Marion Jones und Tim Montgomery mit leistungsverbessernden Mitteln versorgt hat, sagte dem schwedischen Sportbladet , dass die meisten Weltklasseathleten in der Leichtathletik mit Dopingmitteln hantieren würden. Seine Kritik richtete sich in erster Linie gegen das Aushängeschild der WM, den jamaikanischen Sprint-Weltrekordler Usain Bolt.

"Der Großteil der Finalisten bei 100-Meter-Läufen der Männer und Frauen bei Olympiaden und Weltmeisterschaften haben im vergangenen Jahr leistungssteigernde Substanzen und Methoden angewendet", sagte Conte. "Ich habe viel Erfahrung in diesem Bereich. Ich habe solche Praktiken 25 Jahre lang angewendet." Speziell misstraue Conte Usain Bolt. "Ich habe ernsthafte Zweifel gegenüber Bolt." Dessen Leistungsexplosion bei den Olympischen Spielen 2008 und der darauffolgenden WM in Berlin 2009 sei ohne Doping nicht möglich, sagte Conte. "Meine Zweifel begründen sich hauptsächlich auf der Entwicklung seiner persönlichen Bestzeiten."

Bolt verbesserte seine persönlichen Rekordzeiten über 100 Meter innerhalb von zwei Jahren von 10,03 Sekunden im Jahr 2007 auf 9,58 Sekunden in Berlin 2009 , über 200 Meter von 19,75 auf 19,19 Sekunden. "Wenn man diese Werte im Zusammenhang mit der Tatsache sieht, dass Bolt aus einer Kultur kommt, die über kein Antidoping-Programm verfügt, betrachte ich seine Leistungen mit sehr skeptischen Augen", sagte Conte.

Victor Conte ist verantwortlich für einen der größten Dopingskandale der Leichtathletik. Als Gründer und Inhaber des Bay Area Laboratory Co-Operative (Balco) versorgte er eine Reihe von amerikanischen und europäischen Spitzenathleten mit Wachstumshormomen und dem Steroid THG, das lange Zeit nicht nachweisbar war. Zu seinen Kunden zählten unter anderem zahlreiche prominente Baseballer und Basketballer sowie etliche US-Sprint-Stars. Die Balco-Affäre kam 2003 an die Öffentlichkeit, den Sprintern wurden zahlreiche Siege und Rekorde aberkannt.

In dem Interview mit Sportbladet kritisierte Conte das gesamte Doping-Kontrollsystem des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF). Die Aufklärungsarbeit des IAAF sei lediglich "Verschwendung von Zeit und Geld". Speziell die Regeln für verpasste Kontrollen seien zu locker: "Ein verpasster Test ist genauso belastend wie Bußgelder für zu schnelles Fahren."

Zufällige Doping-Tests hätten die immer wieder vorkommenden Vorwürfe gegen den 2009 und 2010 zum Weltsportler des Jahres gewählten Jamaikaner bereits im Vorfeld der WM eindämmen können, sagte Conte. "Es bedarf dringend Untersuchungen."

Die Antidoping-Kommission des IAAF gab an, dass Bolt allein im Jahr 2007 15- bis 16-mal getestet worden sei. In den Doping-Protokollen der Jahre 2009 und 2010 steht, dass Bolt mehr als viermal pro Jahr getestet wurde.