Der Blick auf die Homepage des FC Bayern München verheißt für viele Fans nichts Gutes:

Dienstag, 2. August: kein öffentliches Training
Mittwoch, 3. August: kein Training.
Donnerstag, 4. August: kein öffentliches Training.
Freitag, 5. August: kein öffentliches Training.
Samstag, 6. August: kein öffentliches Training.

Der Rekordmeister sperrt die Fans aus. Und das mitten in der Ferienzeit.

Offiziell begründet der Verein die Maßnahme damit, dass nur einer von zwei Trainingsplätzen zur Verfügung steht. Und mit dem Chaos, das am vergangenen Donnerstag ausgebrochen war. Mehr als 4.000 Fans waren an die Säbener Straße gepilgert, wo die Stars trainieren. Auf der Jagd nach Autogrammen kam es zu Tumulten, drei Menschen brachen im Gedränge mit Kreislaufproblemen zusammen. Der Cheftrainer Jupp Heynckes verfügte, fortan die Fans auszusperren.

Damit verfestigt sich ein Branchentrend. Früher waren geheime Trainings die Ausnahme, heute werden sie immer mehr zur Regel. Was der FC Bayern in diesen Tagen mit dem nicht zu bewältigenden Andrang begründet, wird anderswo auch mit der Angst vor Spionage erklärt. Auch Heynckes' Vorgänger Louis van Gaal ließ regelmäßig geheim üben. Eingeführt hatte die nicht-öffentlichen Trainingseinheiten beim FC Bayern Jürgen Klinsmann.

Beim Vizemeister Bayer Leverkusen, wo sich Heynckes an Anstürme wie unlängst in München nicht erinnern kann, hat sein Nachfolger Robin Dutt angeordnet, öfter vor neugierigen Blicken in die BayArena zu flüchten: "Es werden vor jedem Spieltag künftig zwei Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Wir wollen uns auf jeden Gegner individuell einstellen. Sonst können wir unsere Taktik auch gleich per Fax verschicken."

Auch andere Clubs haben Geheimtrainings eingeführt. Bei der TSG Hoffenheim ist das hochmoderne Trainingsgelände in Zuzenhausen oft komplett abgeriegelt. Beim 1. FC Nürnberg führt Trainer Dieter Hecking mindestens einmal wöchentlich eine nicht-öffentliche Einheit durch, weshalb stets mehrere Ordner neben den Stuhlfauth-Stuben den Zugang bewachen. Und dann ist da noch der FSV Mainz, der in diesem Frühjahr einmal diesen Trainingsplan an die Medien verschickte:

Montag: 18 Uhr
Dienstag: nicht öffentlich
Mittwoch: 20 Uhr
Donnerstag: nicht öffentlich
Freitag: 20:30 Uhr Heimspiel gegen Mönchengladbach.

Presse und Fans erfuhren dabei erst gar nicht, wann, wie oft und wie lang im Verborgenen trainiert wurde. Trainer Thomas Tuchel sagte, er müsse viel korrigieren und wolle ungestört Kommandos geben. Diese müsste er nicht am nächsten Tag in der Zeitung nachlesen.

Zur selben Zeit hatte auch Christoph Daum in Frankfurt einen Trainingsplatz mit blickdichten Planen verhängen lassen. Aus Angst vor den Trainingsscouts: "Die schicken die anderen Vereine los, um informiert zu sein." Obwohl Daum bei Eintracht Frankfurt scheiterte, trat er wieder eine Grundsatzdiskussion los, bei der der Dampfplauderer die Trainer-Legende Sir Alex Ferguson von Manchester United zitierte: "Training fürs Team, Spiel für die Fans. Ende."

In der englischen Premier League gibt es seit Jahren kein öffentliches Training mehr, selbst Journalisten müssen außen vor bleiben. Der ehemalige Torwart Jens Lehmann empfand diese Praxis als sehr angenehm: "Du hast dort im Spiel den maximalen Stress, vorher und nachher aber auch deine Ruhepausen und nicht immer ein Mikrofon vor der Nase."