Nach dem Sieg gegen Brasilien wurde Mario Götze gefragt, was er gegen die Gefahr tue, abzuheben. Das ist eine klassisch deutsche Sorge. Der beste Akteur des anspruchsvollen Freundschaftsspiels konnte mit seinen besonnenen Antworten alle beruhigen. Im Spiel zuvor hatte Götze jedoch einiges dafür getan, dass mancher Experte nun Gefahr läuft, die Bodenhaftung zu verlieren.

Von Götzinho, dem weißen Brasilianer, künden nun viele Schlagzeilen. Mancher mag im Geiste schon die Titel zählen, die Deutschland im nächsten Jahrzehnt dank des 19-Jährigen gewinnen wird. Erfahrene Journalisten, die Götze in Stuttgart spielen sahen, bekamen einen Glanz in die Augen, den man zuletzt 1966 beobachten konnte, als Franz Beckenbauer erstmals die große Fußball-Bühne betrat.

Die meisten Angriffe wurden erst durch Götzes Pässe und Dribblings gefährlich. Immer wieder setzte er seine Nebenleute in Szene. In der ersten Halbzeit gelang ihm gar auf einem Raum, so klein wie eine Nadelspitze, ein Doppelpass mit Christian Träsch. Ein Tor aus ungünstigem Winkel schoss Götze auch.

Leichtfüßige Brillanz prägt Götzes Stil. Nur sehr schwer können ihn Gegenspieler vom Ball trennen, seine nächste Richtungsänderung ist von ihnen kaum zu ahnen. Jederzeit kann er unvermittelt das Tempo erhöhen, selbst im defensiven Zweikampf ist er sehr geschickt. Philipp Lahm hat er den Status des technisch besten Deutschen genommen. Es gehört nicht viel dazu, Götze, der noch kein Stammspieler in der Nationalelf ist, jetzt eine Weltkarriere vorauszusagen.

Damit sind wir bei den spannenden Fragen, die sich dem Bundestrainer spätestens nach diesem Sieg stellen: Wie baut Joachim Löw die jungen Nachrückenden in seine Elf ein, die ohnehin schon jung ist und die bei der WM im Vorjahr glänzte? Wann läuft etwa André Schürrle, Torschütze zum 3:1, Lukas Podolski, der diesmal harmlos blieb, den Rang ab? Erhält Toni Kroos, gegen Brasilien Vorlagengeber zu den ersten zwei Treffern, dauerhaft den Vorzug vor Sami Khedira?

In der Hinterhand hat Löw zudem die jungen Schalker Lewis Holtby und Julian Draxler sowie die Dortmunder Reihe: Sven Bender, Kevin Großkreutz und Ilkay Gündogan – allesamt Hochtalentierte. "Sehr Junge machen den Jungen Druck, das ist gut für mich", sagte Löw nach dem Spiel. Er wird auf Jahre aus einem Überangebot an technisch versierten Fußballern schöpfen können.

Dank dieser Perspektive dürfte das deutsche Team bald ebenbürtig mit den Spaniern sein, dem aktuell besten Team der Welt. Brasilien, das vor fünf Jahren unschlagbar schien, hat Deutschland technisch ein- und taktisch überholt. Der Unterschied war in Stuttgart größer als ein Tor, das gab auch Brasiliens Trainer Mano Menezes zu. Ein Ergebnis der kontinuierlichen Entwicklung, die die DFB-Elf unter Löw genommen hat.