Gegen Brasilien war auch zu sehen, dass die deutsche Mannschaft von einem 33-jährigen Stürmer abhängig ist. Erst mit Miroslav Klose schaffte sie den Durchbruch in die Zonen, in denen im Fußball die Tore fallen. Nach seiner Einwechslung zur Pause gelang ihm zwar weder ein Tor, noch eine direkte Vorarbeit. Doch es war kein Zufall, dass die drei Tore erst dann fielen, als er auf dem Platz war.

Die ersten beiden Treffer ermöglichte er durch seine Laufwege. Vor dem 1:0 zog er auf den linken Flügel, vor dem 2:0 auf die zentrale Position vor der Abwehr. Beide Male band er seinen Gegenspieler, beide Male ließ er den Ball präzise auf einen Mitspieler prallen. Dass Götze beim 2:0 von Kroos so leicht freigespielt werden konnte, war der Verdienst Kloses.

Klose ist der ideale Stürmer für Löws Spiel. Er öffnet Räume für Mitspieler, mit dynamischem und stets wachem Freilaufen zerschneidet er Abwehrreihen, bietet Anspielstationen in der Tiefe, bindet sich in Kombinationen ein, bespielt alle Winkel in der Offensive, erkämpft viele Bälle. Mit ihm kamen Tempo und Präzision ins Angriffsspiel. Der Sieg in Stuttgart wird den Bundestrainer an seiner Vorliebe für Klose bestärkt haben. Er war das Bindeglied zwischen jugendlicher Eleganz und dem Erfolg.

Es scheint in der Euphorie über die Qualität der deutschen Jugend unterzugehen, dass kein Stürmer in unmittelbarer Sicht ist, der Klose ersetzen könnte. Der Bundesliga-Torschützenkönig Mario Gomez mag torgefährlicher sein, jedoch nur, wenn er den Ball hat. Dazu ließen es die Brasilianer nicht kommen. Nicht mal in der Talentschmiede des BVBs gibt es einen deutschen jungen Stürmerstar. Löw steuert auf ein Problem zu, denn es wird ihm nicht gelingen, den 33-jährigen Klose ewig fit zu halten. Vielleicht kann der Bundestrainer eines seiner jungen Mittelfeldtalente zu einem Stürmer umschulen. Vielleicht kann Götze irgendwann auch das.