ZEIT ONLINE: Herr Magath, bleibt es dabei: Sind Fitness und Disziplin für Sie die unabdingbare Grundlage für Erfolg im Profifußball?

Felix Magath: Das habe ich in meiner Trainer-Karriere von Anfang an gesagt. Und ich habe meine Meinung dazu nicht geändert. Ordnung, Disziplin und körperliche Fitness sind Grundvoraussetzungen, um im Mannschaftssport Erfolg zu haben. Davon bin ich fest überzeugt.

ZEIT ONLINE: Hasan Salihamidzic, der beim VfL Wolfsburg wieder unter Ihnen trainiert, findet, dass Sie sich verändert haben. Dass Sie mehr mit Ihren Spielern sprechen. Stimmt das?

Magath: Ich hoffe, dass ich mich immer weiterentwickle. Denn ich möchte nicht stehen bleiben. Veränderungen merkt man selbst nicht, sondern das wird eher vom Umfeld festgestellt. Aber ich denke, dass ich mich auch jetzt noch verändere und weiterentwickle.

ZEIT ONLINE: Zur Weiterentwicklung in der Fußball-Bundesliga gehören auch moderne Trainingsmethoden. Ihr Kollege Mirko Slomka lässt seine Spieler bei Hannover 96 mit einem über Satelliten gesteuerten GPS-System kontrollieren. Ist das auch etwas für Sie, oder ist Ihnen das zu dick aufgetragen?

Magath: Das muss jeder Trainer für sich beantworten. Ich haben vor Jahren oder Jahrzehnten schon gesagt: Fußball ist das schwierigste Spiel. Viel schwieriger als Schach. Weil es eben so komplex ist und weil es zu viele Faktoren gibt, die das Spiel beeinflussen, nicht nur physische. Die Trainer haben alle eine ähnliche Ausbildung. Trotzdem sieht jeder Trainer das Fußballspiel anders und gewichtet anders. Mit modernen Methoden habe ich mich schon vor zehn Jahren beschäftigt. Ich habe mir das Spiel auch von einer Firma aufnehmen lassen. Nach meinen Vorstellungen. Aber ich brauche keine Laufstrecken und Abmessungen. Ich lege halt auf andere Dinge wert.

ZEIT ONLINE: Fühlen Sie sich ungerecht dargestellt? Medizinball, Treppe rauf, Treppe runter – darauf wird Ihre Trainingsarbeit in der Öffentlichkeit meistens reduziert.

Magath: Ungerecht, das Wort würde ich dafür nicht benutzen. Leider ist es in unserer Zeit so, dass die Dinge meist sehr oberflächlich betrachtet werden. Jeder meint, er kann über jedes Thema reden. Das ist ja nicht nur im Fußball so, das gilt für unsere ganze Gesellschaft. Insofern ist es schwierig geworden, weil mehr Stimmung gemacht wird, als dass Tatsachen erkannt werden. Ich wundere mich immer, wer alles meine Arbeit beurteilt. Es gibt Leute, die haben noch nicht mal ein Training von mir gesehen, aber können beurteilen, was ich mache.

Ich war vor 12, 15 Jahren auch, um mich weiterzubilden, bei Alex Ferguson in Manchester, bei Gerard Houllier in Liverpool und in London bei Arsene Wenger und habe dann festgestellt: Das bringt mir alles gar nichts, wenn ich da zwei, drei Trainingseinheiten sehe. Ich kann das nicht beurteilen. Also habe ich meine Sachen gepackt und gesagt, fährst du wieder nach Hause. Denn zu Hause ist es auch ganz schön, und da gehst du deinen eigenen Weg. Und das ist, glaube ich, auch das Richtige.

ZEIT ONLINE: Erfolg macht zufrieden. Stimmt das auch im Fall von Felix Magath?

Magath: Ich bin ein Freund des Satzes 'Disziplin bringt Erfolg, Erfolg zerstört Disziplin'. Deshalb achte ich mit Argusaugen darauf, dass die Disziplin hoch bleibt.

ZEIT ONLINE: Sind Sie nach Ihrer Zeit bei Schalke 04 mit Wut im Bauch zum VfL Wolfsburg gewechselt?

Magath: Nein, nicht mit Wut. Meine Trainer-Karriere hat sich nach den Gesetzen des Fußball-Geschäftes entwickelt. Die sportlichen Verantwortlichen sind in den letzten zehn Jahren immer schneller ausgetauscht worden. Nicht weil es die beste Lösung war, was natürlich dummes Zeug ist, sondern weil es die bequemste Lösung für die Vereine und deren Vertreter ist. Aber Vereine wie der SC Freiburg, Mainz 05 und Werder Bremen, die anders gehandelt und nicht bei jedem Problem einen neuen Trainer geholt haben, stehen am Ende eigentlich besser da. Drei Jahre am Stück als Trainer bei einem Verein, das ist heute doch schon viel. Ich habe es gelernt, mich nach einem Engagement, wenn es beendet ist, sofort wieder neu zu orientieren. Das hat mich das Geschäft gelehrt.