ZEIT ONLINE : Herr Littmann, in Spanien hat ein 24-jähriger Profi seine Karriere mit der Begründung beendet, dass es im Fußball nur um Geld geht.

Corny Littmann : Respekt, vielleicht stößt er eine Gehälterdebatte an. Überfällig wäre sie längst. Mancherorts hat dieses Business astronomische Ausmaße angenommen, nach Oben scheint es keine Grenze zu geben. Es profitieren Einzelne: Spieler, Funktionäre, aber auch Berater.

ZEIT ONLINE : In der Primera Division bestreikten Fußballer den ersten Spieltag, weil sie kein Gehalt bekommen hatten. Dürfen wir mit Fußballprofis Mitleid haben?

Littmann : Wir dürfen mit allen Arbeitnehmern mitfühlen, deren Arbeitgeber vertraglichen Pflichten nicht nachkommen. In Spanien beobachten wir zudem eine krasse Spaltung im Profifußball, es gibt eine Dreiklassengesellschaft: Barcelona und Madrid sind die Oberschicht, nur sie haben eine Meisterchance. Darunter ist eine Mittelschicht von rund zehn Vereinen. Der Rest kämpft ums Überleben. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auseinander. Das ist eine Parallele zur wirtschaftlichen Lage in diesem Land. Wie zu vielen anderen Ländern, darunter auch EU-Staaten. Vielleicht springt ja Merkel ein.

ZEIT ONLINE : Sollte Spaniens Fußball umverteilen?

Littmann : Vielleicht sollte das Fernsehgeld anders verteilt werden, damit die Liga wieder spannender wird. Das größte Problem nicht nur im spanischen Fußball ist die Maßlosigkeit, die um sich greift. Ich denke an England, Italien, auch Russland. Dem muss man einen Riegel vorschieben. Gerade in diesen Zeiten, in denen in London Häuser brennen und in Madrid Jugendliche gegen den Papstbesuch auf die Straße gehen. Das mögen anarchistische Aktionen gewesen sein, dennoch haben wir es mit einem sozialen Aufstand zu tun.

ZEIT ONLINE : Erkennen Sie darin eine Gefahr für den Fußball?

Littmann : Keine direkte, der Fußball darf sich immer mehr erlauben. Gesamtwirtschaftlich sind seine Umsätze ohnehin Peanuts. Wo Gewalt und Krawall als nächstes aufbrechen, ist nicht vorherzusagen. Im Fußball spiegeln sich seit langer Zeit Tendenzen der Globalisierung und Entwicklungen in der EU. Der Fußball sollte sich wie die Politik von der reinen Wachstumsideologie verabschieden.