Ende Juni stand Dirk Nowitzki auf dem Balkon der Würzburger Residenz und winkte mit seinen großen Händen. Zu seinen Füßen hatten sich 10.000 Menschen versammelt, und sich mit dem besten deutschen Basketballer aller Zeiten gefreut: Über den NBA-Titel seiner Dallas Mavericks und die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Finalserie. Zusammen sangen Nowitzki und die Würzburger "We are the Champions" .

Selbst Angela Merkel gratulierte. Die Nowitzki-Welle muss man reiten , sagte der Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann damals. Ein Boom sollte her. Im ewigen Konkurrenzkampf mit Handball, Eishockey, Volleyball wollte sich der Basketball mit und durch Nowitzki in Deutschland als Sportart Nummer zwei einordnen. Die Voraussetzungen dafür waren gut.

Das lag nicht nur an Nowitzkis sportlichem Erfolg. Der Franke ist ein guter Basketballer und ein sympathischer Typ, ein Vorbild. Hinter seinem breiten Rücken konnten sich Basketball-Talente wie Tibor Pleiß, Robert Benzing, Philipp Schwethelm oder Lucca Staiger in Ruhe entwickeln. Mit Aussicht auf Erfolge.

Auch in der Bundesliga war etwas in Bewegung geraten. Jährlich gibt es neue Zuschauerrekorde. In der kommenden Spielzeit wagt sich der solvente FC Bayern München aufs Erstliga-Parkett und möchte die deutsche Basketball-Landschaft verändern.

Nowitzkis Auftritte im DBB-Team, eine gute Europameisterschaft, hätten die Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Sie hätten auch die ganz Jungen in die Basketballvereine locken können, zumal die Sportart in einer bestimmten Altersgruppe als besonders cool gilt. Fernab des Turnhallen-Schulsport-Miefs der Handballer und Volleyballer. In Litauen aber folgte die Ernüchterung. Nach dem Aus in der Zwischenrunde der EM wird der deutsche Basketball Randsport bleiben.

"Es lag an mir", sagte Nowitzki nach dem entscheidenden Spiel gegen Litauen, was natürlich übertrieben ist. Nach einer Saison mit 94 NBA-Spielen und zahlreichen Verletzungen ragte er zwar immer noch heraus, konnte das Turnier aber nicht so dominieren, wie es sich viele erhofft hatten.

Es ist unwahrscheinlich, dass Nowitzki sich noch einmal das Deutschland-Trikot überziehen wird. Durch die verpasste Olympiaqualifikation gibt es im kommenden Sommer kein Großereignis, für das es sich über den Atlantik zu jetten lohnt. Bei der EM in zwei Jahren in Slowenien ist er schon 35 Jahre alt. Seine Fans werden Nowitzki bald nur noch in der NBA sehen. Vornehmlich nachts, wenn die deutschen Talente von morgen schlafen.