Der Bundestrainer hatte gerade zu einer Eloge auf Thomas Müller angesetzt, als ein tölpeliger Zuhörer mit dem Hintern an den Lichtschalter kam. Joachim Löw und etwa hundert Journalisten saßen während der Pressekonferenz kurzzeitig im Dunkeln. Als es wieder hell war und Löw über seine Innenverteidigung sprach, riss ein angetrunkener Fan die schwere Glastür auf und lallte ein lautes " Polska, Polska! " in die Runde. Löw konnte auch das nicht aus der Ruhe bringen.

Es wäre ein Leichtes gewesen, die Hausherren durch einen bissigen Kommentar oder zumindest das Hochziehen einer Augenbraue wissen zu lassen, dass derlei Vorkommnisse "högscht" unprofessionell seien. Löw aber ließ sich nichts anmerken, redete im Dunkeln weiter, übertönte gar den Störer. Die Deutschen waren an diesem Abend in Danzig sehr höfliche Gäste.

Vor allem auf dem Fußballplatz überreichte der DFB dem Gastgeber aus Polen ein Geschenk: ein Unentschieden, hübsch verpackt . Ein Unentschieden, das die Polen trotz des Ausgleichs Sekunden vor dem Abpfiff wie einen Sieg feiern konnten, schließlich haben sich die jüngsten deutschen Heldentaten gegen Österreich und vor allem Brasilien auch bis zu unseren östlichen Nachbarn herumgesprochen. Polen steht auf Rang 68 der Weltrangliste, zwischen Gabun und China. Mit entsprechend breiter Brust schritten die polnischen Spieler nach dem 2:2 vom Feld.

Zwischen Danzig und Krakau, Posen und Warschau können die Polen positive Nachrichten gebrauchen. In einem Jahr geht hier die Fußball-EM los, aber im Ausland reden viele Interessierte nur von Hooligans und Straßen, die nicht fertig werden . Selbst an dem neuen, noch nach Beton riechenden Stadion hatten die Behörden herumgemäkelt, die Sicherheit und so. Nachdem schon das Stadion in Warschau, wo die Partie ursprünglich hätte ausgetragen werden sollen, nicht rechtzeitig fertig wurde, stand kurzzeitig zur Debatte, auch das Spiel in Danzig ausfallen zu lassen.

Nach dem Spiel ist erstens festzuhalten: Das Stadion brach nicht auseinander. Die Hooligans blieben daheim und schickten dafür Familien mit Tröten und bemalten Wangen.

Die zweite Erkenntnis des Abends in Danzig: Wie so oft in Testspielen zeigte die deutsche Elf ein etwas konfuses Gesicht. Löws großem Ziel, Spielfreude und Horizontalfußball ohne Qualitätsverlust unabhängig vom Personal zu zelebrieren, kam seine Mannschaft nicht entscheidend näher. Der deutsche Spaßfußball aus den Qualifikationsspielen ist damit noch immer zerbrechlicher als es Löw lieb sein kann. Er hängt, trotz des derzeit gern proklamierten qualitativ breitesten Kaders seit langer Zeit, von zu wenigen Personen ab.