ZEIT ONLINE: Herr Hey, am Samstag spielt Libyen gegen Mosambik in der Qualifikation zum Afrikacup. Fußball in Zeiten des Krieges, wie soll das gehen?

Antoine Hey: Wir haben natürlich mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Konflikt beeinflusst die Spieler, den Trainer, die Betreuer, alle. Uns ist es im Moment unmöglich, Heimspiele auszutragen, obwohl die wichtig wären für eine erfolgreiche Qualifikation. Stattdessen müssen wir in Kairo unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen, aus Sicherheitsgründen.

ZEIT ONLINE: Sind alle Spieler wohlauf?

Hey: Ja, ein großer Teil der A-Nationalmannschaft spielt sowieso im Ausland. Fünf Spieler sind in Tripolis geblieben und haben da ganz normal trainiert. Ich kümmere mich auch um die Spieler, die für die Jugendnationalmannschaften infrage kommen. Da gibt es einige, mit denen wir noch keinen Kontakt haben. Das liegt aber auch daran, dass das Mobilfunknetz nicht mehr so gut funktioniert und viele Nummern geändert wurden. Einen Großteil der Spieler haben wir erreicht, denen geht es allen gut. Ich bin zuversichtlich, dass die anderen auch wohlauf sind, weil sie aus Regionen kommen in denen relativ wenig gekämpft wurde, wie Tobruk oder Darna.

ZEIT ONLINE: Können sich die Spieler im Augenblick auf Fußball konzentrieren?

Hey: Mittlerweile schon, weil die Dinge sich normalisieren. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, ehe wieder so etwas wie Alltag herrscht, aber die Ungewissheit ist weg. Alle schauen recht optimistisch in die Zukunft.

ZEIT ONLINE: Ihr brasilianischer Trainer Marco Paqueta hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, dass er nicht wisse, ob und wie es weitergehe?

Hey: Wir müssen da jetzt ein bisschen improvisieren. Der Trainer wird zum Spiel anreisen, allerdings allein, ohne seinen sechsköpfigen Trainer- und Betreuerstab, weil wir die Kosten derzeit so gering wie möglich halten müssen. Wir können nur eine Notbesetzung stellen, aber das versteht der Trainer. Sobald sich alles normalisiert hat, werden wir wieder in voller Stärke auflaufen.

ZEIT ONLINE: Sie haben Geldprobleme?

Hey: Ja und Nein. Wir haben prall gefüllte Bankkonten in libyschen Dinar. Aufgrund der UN-Sanktionen haben wir aber keinen Zugriff auf die Gelder. Wir sind auf Hilfe von außen angewiesen. Einige libysche Geschäftsleute, die in Ägypten leben, übernehmen einen Teil der Kosten für das jetzige Qualifikationsspiel, auch die Afrikanische Fußballunion beteiligt sich.

ZEIT ONLINE: Sie mussten im Februar aus Sicherheitsgründen zurück nach Deutschland fliegen, waren nun aber wieder in Tripolis und Bengasi. Wie hat sich das Land verändert?

Hey: Ich habe in meinen Gesprächen eine große Erleichterung und eine sehr starke Aufbruchstimmung gespürt. Die Leute haben es jetzt in der Hand, das Beste aus ihrem Land zu machen. Und sie haben es in der Hand, dass die Revolution ein positives Ende nimmt und nicht zum Rohrkrepierer wird wie in Tunesien und Ägypten.

ZEIT ONLINE: Haben Sie je daran gezweifelt, diesen Job in solch einem autoritären Regime anzunehmen?

Hey: Ich war schon Nationaltrainer in Lesotho, Gambia, Liberia und Kenia. Jedes Land hat seine eigenen Strukturen. Ich bin ja kein Politiker. Wir sind darum bemüht, unabhängig von politischen Einflüssen zu arbeiten. Das war vor Jahren mal anders, als Saadi, ein Sohn des Diktators, die Verbandspräsidentschaft übernommen hatte. Jetzt haben wir aber eine sehr fähige Verbandsspitze mit sehr anständigen Leuten.