Zu jeder Bundesligasaison gehören mindestens ein Dutzend Trainerentlassungen. So läuft es, das Geschäft des Profifußballs. Die meisten Trainer werden entlassen, weil ihr Verein sich mit einem anderen mehr Erfolg erhofft . Andere kündigen selbst, weil sie ein besseres Angebot bei einem anderen Club in Aussicht haben. Einen Entschluss, wie ihn Schalkes Trainer gefasst hat , gab es in der Bundesliga noch nie.

Eines vorweg: Im bezahlten Fußball gibt es Trainer, die den Sinn einer Viererkette bis heute nicht verstanden haben. Ralf Rangnick ist das Gegenteil. Er gilt als Visionär. Er erklärte die Raumaufteilung in der Abwehr bereits vor Jahren. Er führte Ulm und Hoffenheim von der Dritten in die Erste Liga, schaffte mit Hannover den Bundesligaaufstieg, gewann mit Schalke den DFB-Pokal. Bevor Jürgen Klinsmann Joachim Löw zu seinem Co-Trainer der Nationalelf machte, soll Rangnick sein Wunschkandidat gewesen sein.

Der 53-Jährige sei aus gesundheitlichen Gründen, wegen eines "vegetativen Erschöpfungssyndroms" nicht in der Lage, die Mannschaft weiter zu führen. Mit diesen Worten wurde Rangnicks Entscheidung begründet. Fast zwei Jahre nach der Beerdigung des Nationaltorwarts Robert Enke ist das eine Zäsur im Fußballalltag. Dass ein Bundesligacoach mit dem Format und der Perspektive Rangnicks eine psychische Erkrankung öffentlich macht, hatten viele Beobachter nicht für möglich gehalten.

Vor wenigen Wochen wagte bereits der Ersatztorwart von Hannover 96, Marcus Miller, einen ähnlichen Schritt . Im laufenden Spielbetrieb gab er zu, sich in einer Nervenklinik behandeln zu lassen. Miller und Rangnick handelten, wie es Psychologen empfehlen, wie es in der Realität aber oft nicht geschieht. Vor allem, weil Betroffene Angst vor den Folgen haben.