Borussia Dortmund ist eines der Beispiele, das Begehrlichkeiten weckt. Oder die deutsche Nationalmannschaft. Junge Spieler, die Titel gewinnen, oder Gegner vom Format Brasiliens beherrschen. Jung liegt im Trend.

Für Clubs, Verbände und Berater heißt das, Fußballtalente noch früher zu sichten, noch früher an sich zu binden. Der Kampf um Talente wird immer erbitterter geführt. Fremde Scouts tauchen direkt beim Training auf. Clubs und Verbände setzen Eltern mit Geld unter Druck. Der im Fokus stehende Fußballnachwuchs wird dabei immer jünger, inzwischen wird über Elfjährige berichtet, die geködert werden. Das führt zu einem "Wildwuchs", der laut Matthias Sammer, den Sportdirektor des Deutschen Fußball Bundes (DFB), "kaum noch zu kontrollieren ist."

Beim VfB Stuttgart denken sie mittlerweile gar über drastische Maßnahmen gegen aufdringliche Berater und Scouts nach. Von "Platzverweisen" für ungebetene Gäste ist die Rede. "Da werden Jugendliche auf dem Weg vom Trainingsplatz in die Kabine angesprochen, das geht nicht", sagt der Stuttgarter Manager Fredi Bobic. Es kam vor, dass er sein Büro auf dem Clubgelände verlassen musste, um die Spione um Zurückhaltung zu bitten. "Wenn das nicht fruchtet, gibt es eine Verwarnung und dann den Rauswurf", sagt er.

Linderung könnte die Initiative von Matthias Sammer und einer internen Kommission des DFB bringen. Sammer arbeitet an der Idee, die Altersgrenze "nach unten zu ziehen, damit Förderverträge früher unterschrieben werden können. Wir denken da an ein Jahr", sagt Sammer. Was zunächst paradox klingt, könnte durchaus Sinn machen. Sogenannte Förderverträge treten in Kraft, wenn die Fußballer 16 Jahre alt sind und verhindern, dass die Spieler von heute auf morgen transferiert werden. Je eher die Spieler Förderverträge unterschreiben, desto eher legen sie sich auf einen Verein fest und sind vorerst nicht mehr vermittelbar.

Wenn Vereine aus dem Ausland als Konkurrenten auftauchen, stoßen alle Initiativen an ihre Grenzen. So klagen die Manager von Bayern München und Borussia Dortmund, Christian Nerlinger und Michael Zorc, darüber, dass internationale Vereine besonders rücksichtslos vorgehen. "Clubs aus England, Spanien und Italien dürfen überall wildern, wir nicht", sagt Nerlinger. "Wir bilden aus, und die Engländer wedeln mit Scheinen. Da werden junge Spieler schnell mal schwach", sagt Zorc, der wie Nerlinger ohne einheitliche Regelung einen deutschen Standortnachteil für den deutschen Clubfußball sieht. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, ignorieren auch deutsche Teams den eigentlich bestehenden Solidarpakt, sich gegenseitig keine Perspektivspieler abzujagen.