Wenn am Mittwoch die Spiele zur zweiten Runde des DFB-Pokals angepfiffen werden, sollen Schiedsrichter auf dem Platz für Recht und Ordnung sorgen, deren Integrität außerhalb des Feldes gerade infrage gestellt wird. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind bei fünf der acht Parteien Unparteiische involviert, die verdächtigt werden, Steuern hinterzogen zu haben.

Demnach werden rund 20 Personen im Zusammenhang mit ihrer Schiedsrichtertätigkeit der Steuerhinterziehung verdächtigt. Sie sollen Vergütungen für ihren Einsatz bei Freundschaftsspielen nicht versteuert haben. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass auch bei der Abrechnung von Fahrt- und Bewirtungskosten getrickst wurde. Bei etwa der Hälfte soll es sich um Spitzenschiedsrichter aus dem Profifußball handeln, auch um mehrere Fifa-Schiedsrichter.

So soll beispielsweise Felix Brych im Visier der Ermittler stehen. "Ich kann nichts zum Stand der Ermittlungen sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt", sagte der Jurist Brychs Spiegel Online. Ein anderer Unparteiischer erklärte: "Ich lasse dieses Gerücht im Raum stehen und werde dazu keine Aussage machen."

Ausgangspunkt der Ermittlungen ist die Affäre um den früheren Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter und dem früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell. Kempter hatte Amerell 2009 der sexuellen Belästigung beschuldigt. Amerell wies diesen Vorwurf zurück und prozessiert gegen Kempter vor dem Landgericht Hechingen.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung habe Amerell Angaben, die Kempter im Laufe dieses Prozess tätigte, auf ihre Plausibilität überprüft und Ungereimtheiten festgestellt. Daraufhin soll sich Amerell an die Steuerfahndung Augsburg gewandt und ihr angeblich belastendes Material übergeben haben – als Rache an Kempter. 

Kempters Anwalt Christoph Schickhardt bestätigte am Dienstag, dass gegen seinen Mandanten ermittelt wird. "Michael Kempter ist einer der Betroffenen des Verfahrens, das kann ich bestätigen", sagte Schickhardt. Kempter war bereits 2009 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe in Höhe von 23.750 Euro verurteilt worden. "Dabei handelt es sich um ein Verfahren, dass zehn Jahre zurückliegt", sagte Schickhardt.

Zu Berichten über eine angebliche Durchsuchung der Privaträume Kempters am Montag in Sauldorf gab es unterschiedliche Darstellungen. Schickhardt dementierte: "Eine Hausdurchsuchung bei Herrn Kempter gab es nicht." Dieser Darstellung widersprach Amerell, der nach eigenen Angaben als Augenzeuge vor Ort war. "Die Steuerfahndung war bei Michael Kempter im Anwesen und darüber hinaus in der Arbeitsstelle", sagte der 64-Jährige.