Beim THW Kiel schweigen sie. Kommt die Rede auf den Prozess vor dem Landgericht Kiel, geht den Verantwortlichen des Handball-Rekordmeisters kein Wort über die Lippen. Dabei bedroht die seit September laufende Verhandlung nicht nur den Verein, sondern die ganze Sportart. Alle warten auf die Antwort auf die bange Frage: Hat der THW Kiel in den Jahren 2007 und 2008 in der Champions League Schiedsrichter bestochen?

Diese Sprachlosigkeit zieht sich durch den gesamten Handball, aber hier erscheint sie rätselhaft. Schließlich hat sich der THW Kiel, als der Skandal öffentlich wurde, von seinem damaligen Geschäftsführer Uwe Schwenker getrennt. Und der neben Schwenker zweite Angeklagte, der Trainer Noka Serdarusic, der ebenso alles bestreitet, arbeitet seit Juni 2008 nicht mehr in Kiel. Man könnte sich also öffentlich distanzieren von den beiden Protagonisten dieses Falls.

Zumal einige Dinge, die im Saal 232 unter der behutsamen Führung des Vorsitzenden Richters Matthias Wardeck bekannt wurden, grotesk anmuten. Das betrifft etwa jene 92.000 Euro, die vor dem Champions-League-Finale 2007 von THW-Konten abflossen. Diese Summe hat Schwenker als Beraterhonorar für den kroatischen Geschäftsmann Nenad Volarevic ausgewiesen, unter anderem für die Vermittlung des Kreisläufers Igor Anic. Der Profi aber erklärte, diesen Volarevic überhaupt nicht zu kennen.

Noch bizarrer ist das, was das Landeskriminalamt (LKA) für die 60.000 Euro herausfand, die in zwei Tranchen vor Champions-League-Partien der Saison 2007/08 abgehoben wurden. Quittungen darüber fehlen. Schwenker behauptete gegenüber dem Staatsanwalt, diese Summe habe als Darlehen für Serdarusic gedient.

Andererseits fand das LKA in der Buchhaltung des THW Kiel konkrete Verbuchungen: Von den ersten 20.000 Euro wurden 8.800 Euro auf das "Sachkonto 4440 – Schiedsrichter" verbucht, versehen mit dem Text: "CL 7/Barcelona" – ein eindeutiger Bezug auf das Halbfinal-Heimspiel gegen den FC Barcelona am 6. April 2008. Auch die ukrainischen Schiedsrichter Liudowik/Wakula wurden in Aufwandsbuchungen penibel aufgeführt.

Ebenso akribisch registrierte man die 40.000 Euro aus dem Mai 2008. Dieses Geld wurde in der THW-Buchhaltung größtenteils den beiden slowenischen Referees Repensek/Pozeznik zugeordnet, zum ersten für das entscheidende Heimspiel in der Hauptrunde gegen Ademar Leon ("CL 6/Leon", "Schiedsrichter", 7.400), zum zweiten für das Finale gegen Ciudad Real ("Verpflegung CL 8/Ciudad/Repen/Posz", 6.800, sowie "Schiedsrichter CL 8/Ciudad/Repen/Posz", 9.500). Der Rest wurde unter "sonstige Aufwendungen CL/EHF/Schiri" gefasst.

Ungläubiges Staunen im Gerichtssaal, als dies zur Sprache kam: Waren sie tatsächlich so dämlich beim THW Kiel?