Die Egos sind zu groß. Johan Cruyff und Louis van Gaal können nicht miteinander.  Die zwei berühmtesten Fußballpersönlichkeiten der Niederlande verbindet eine innige Feindschaft. Daher hielt Cruyff das, was ihm im November zu Ohren kam für "einen Witz": Ausgerechnet Louis van Gaal sollte ab Juli 2012 als Allgemeiner Direktor bei Ajax Amsterdam anfangen. Bei dem Club also, bei dem Cruyff als Aufsichtsratsmitglied sagen kann, wo es langgeht.

Cruyffs vier Aufsichtsratskollegen hatten die Verpflichtung van Gaals ohne Cruyffs Wissen eingeleitet, was den ehemals weltbesten Fußballer mächtig erzürnte. Er stellte die Rechtmäßigkeit der Verpflichtung van Gaals infrage und erwirkte ein Schnellverfahren gegen seine Aufsichtsratskollegen. Ein Gericht in Haarlem gab Cruyff nun recht. Nicht der Aufsichtsrat, sondern die Aktionärsversammlung des börsennotierten Clubs muss innerhalb von fünf Monaten über die Personalie entscheiden.

Der Beschluss des Richters sorgt nun nicht nur dafür, dass der ehemalige Bayern-Coach van Gaal weiter auf Arbeitssuche ist. Er zeigt auch, dass die Turbulenzen um das einstige Traumpaar Ajax und Cruyff im neuen Jahr weiter gehen. Ihre Liaison, früher gut für acht Meistertitel und vier europäische Pokale, ist längst zur Seifenoper mit extrem hohem Trash-Faktor geworden. Seit Cruyff im Frühjahr als Funktionär zu Ajax zurück kam, überdecken die Intrigen hinter den Kulissen die sportlichen Geschehnisse: Den ersten Meistertitel seit sieben Jahren, die dürftige Hinrunde, die überraschenden Auftritte in der Champions League und Ajax´ skandalumwittertes Ausscheiden vergangene Woche . Was auf dem Platz passiert, ist schon lange nicht mehr entscheidend.

Begonnen hat der Konflikt bereits vor mehr als einem Jahr. Im Herbst 2010 kritisierte Cruyff in seiner wöchentlichen Kolumne im Boulevardblatt Telegraaf mehrfach die Auftritte seines früheren Clubs. Er verkündete auch, wie das Problem zu beheben sei: Mit einer konzertierten Aktion verdienter Ehemaliger, die dem AFC Ajax wieder zu alter Größe verhelfen sollte. Im Dezember letzten Jahres folgten unter anderem Aron Winter, Keje Molenaar und Barry Hulshoff dem Aufruf und ließen sich in den Mitgliederrat wählen. Niederländische Medien prägten damals den Begriff von der "samtenen Revolution".

Mit samtigem Vorgehen sollte allerdings bald Schluss sein. Als Cruyff im Frühjahr selbst als Funktionär auf die Bühne kletterte, ging der einstige Offensivästhet intern kompromisslos wie ein Vorstopper zu Werke. Sein Konzept basierte auf intensiver Jugendförderung unter Einbeziehung ehemaliger "Ajacieden". Das Herzstück des Cruyff´schen Plans war ein Dreigestirn aus dem aktuellen Trainer Frank de Boer und den Jugendtrainern Wim Jonk und Dennis Bergkamp. Mit dem Engagement seines Intimfeinds van Gaal sieht Cruyff seinen Plan unterminiert.