Dem THW Kiel geht es sportlich und finanziell bestens. Der Klub führt die Handball-Bundesliga mit 32:0 Punkten an, der Meistertitel scheint bereits im Dezember Formsache zu sein. Zur guten Stimmung passt, dass die Kieler ab Januar mit zusätzlichem Sponsorengeld planen können. 200.000 Euro pro Jahr zahlt der Wettanbieter bwin, damit sein Logo auf den Hosen der THW-Spieler und an diversen Stellen in der Kieler Arena zu sehen sein wird.

Das haben sie der Landesregierung aus CDU und FDP zu verdanken. Auf deren Initiative beschloss der Schleswig-Holsteinische Landtag am 14. September ein neues Gesetz, das ab 2012 den Markt für private Anbieter von Sportwetten und anderen Glücksspielen öffnen und Werbung erlauben wird. Noch bis Ende 2011 dürfen nur staatliche Unternehmen Glücksspiele anbieten.

Dann läuft der alte Glücksspielstaatsvertrag aus, den der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2010 für nicht EU-rechtskonform erklärt hatte. Das nördlichste Bundesland war mit einem eigenen Gesetz vorgeprescht, nachdem man sich mit den anderen Bundesländern nicht über einen neuen Staatsvertrag hatte einigen können. Die übrigen fünfzehn Ministerpräsidenten haben zwar inzwischen ebenfalls einen Entwurf verabschiedet, der eine Öffnung des Markts vorsieht. Das Werbeverbot soll aber bestehen bleiben.

An diesem Donnerstag besteht nun die letzte Chance, dass noch Frieden an der Wettenfront einkehrt. In Berlin tagt die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder, der Glücksspielstaatsvertrag ist der wichtigste Tagesordnungspunkt. Sollte es der Mehrheit nicht gelingen, den schleswig-holsteinischen Regierungschef Peter Harry Carstensen auf ihre Linie einzuschwören, ergäbe sich eine kuriose Situation: Dann würden im kommenden Jahr im föderalen Deutschland zwei Glückspielgesetze gelten – eines im hohen Norden, das andere im Rest der Republik.

Neben bwin hat bereits ein weiteres Unternehmen auf die besonderen Bedingungen in Schleswig-Holstein reagiert. Der Anbieter pokerstars.de wirbt mit dem Fußball-Regionalligisten VfB Lübeck, mietet dort den Stadionnamen. Der Vertrag gilt vorerst bis Sommer 2013. "Pokerstars.de-Stadion an der Lohmühle" heißt die Arena jetzt, insgesamt 240.000 Euro fließen dafür an den Verein. Der klamme VfB, der 2008 insolvent war, kann das Geld sehr gut brauchen. Für pokerstars.de wäre das normalerweise eine riskante Investition, denn der VfB steht auf Platz 16. Weil aber im Sommer 2012 eine Ligenreform greifen wird, muss in dieser Saison niemand absteigen.

Hans-Jörn Arp, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, sagte kürzlich im Deutschlandfunk , es sei bei der Planung des Gesetzes stets beabsichtigt gewesen, dass "der Sport davon profitiert". Der FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki packte selbst an: Er half dabei, den Deal zu vermitteln.